Mittwoch, 2. Juni 2010

Bildungspyramide

Warum sieht Bildungsdeutschland nicht so aus:

1. Kitas ohne Kitagebühren. Ab eins freiwillig, ab drei verpflichtend, mit Bildungskonzept und (mindestens deutscher) Sprachförderung.

2. Schulen mit kleinen Klassen, differenziertem Unterricht und bis nachmittags um fünf. Das mit einem Konzept, in dem nicht nur die Hausaufgabenbetreuung drin ist, sondern auch in Kooperation mit Musikschule und Sportverein der Nachmittag sinnvoll organisiert ist. Wenn die Kinder um halb sechs zu Hause sind, fällt das Gezerfe um Geige üben und Hausaufgaben machen weg, die Eltern sind von der Arbeit zuhause, Familienzeit. Keine Gebühren für die Schule, aber für die Zusatzangebote, maßvoll nach Einkommen gestaffelt. Ob die Grundschule 4 oder 6 Jahre dauert, ist dann übrigens egal.

3. Hochschulen zweigeteilt: Ausbau von Fachhochschulen und Berufsakademien, die die Verzahnung von Theorie und Praxis mit berufsqualifizierendem Bachelor nach drei Jahren bestens beherrschen. Universitätsausbildung forschungsorientiert ausgerichtet auf Masterabschlüsse. Dafür 3.000 € Studiengebühren pro Bachelorsemester und 6.000 € Studiengebühren pro Mastersemester mit der Möglichkeit, diese einkommensabhängig dann zurückzuzahlen, wenn man verdient (kein fixes Darlehen, UGV-Modell). Faustregel: Je näher ein Studienabschluss an der beruflichen Verwertbarkeit und je höher das damit erzielbare Einkommen, desto höher die Studiengebühren. Und: Auswahlverfahren für alle Studiengänge, damit Studienplatzbewerber gezwungen sind, sich vorher mit der Frage auseinanderzusetzten, für welches Studium sie sich eignen und Hochschulen ihre Studierenden nach Eignung und Motivation auswählen können.

Bislang ist es genau umgekehrt: Kita kostet relativ viel, Schule nix und Studium wird bezuschusst (BaföG). Offenbar fehlt bislang der Wille zu einer grundlegenden Reform, die das vom Kopf auf die Füße stellen würde. Aber vielleicht hilft die Krise, die zum Handeln (und zum Sparen) zwingt? Bei der Gelegenheit könnte man übrigens den teuren und überflüssigen Bildungsföderalismus gleich mit abschaffen. Zentrale Schulabschlussprüfungen, ein Bundesbildungsministerium, Wettbewerb und Erkenntnis durch Erfahrungen auf europäischer Ebene und die Existenz des Internet. Wer dagegen ist, möge mir bitte eine Errungenschaft nennen, die wir der Existenz von 16 Kultus- (oder Bildungs-)ministern oder gar der KMK verdanken.

Zum gleichen Thema übrigens Jan Friedmann und Markus Verbeet im SPIEGEL (22/2010, S. 70): "Je früher ein Kind gefördert wird, desto höher ist die Bildungsrendite, also der gesamtgesellschaftliche Nutzen. Deshalb lohnt es sich etwa eher, Krippenplätze für Kinder aus schwierigen Verhältnissen zu schaffen als Studienplätze zu subventionieren. Deutschland häuft aber das Geld auf die Spitze der Bildungspyramide. Es profitieren die, die es mitunter gar nicht nötig haben: Familien aus Mittel- und Oberschicht, deren Kinder acht Jahre kostenlos aufs Gymnasium gehen, um später in den meisten Bundesländern gebührenfrei zu studieren."

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