Mittwoch, 16. Juni 2010

Subventionieren private Hochschulen staatliche Unis?

Eigentlich ganz selbstverständlich: die Bucerius Law School ist eine private, staatlich anerkannte Hochschule. Die Finanzierung der Hochschule funktioniert ohne öffentliche Mittel (58% ZEIT-Stiftung, 23% Studiengebühren, 10% Sponsoring, 9% eigene Einnahmen). Insofern gilt hier, was (leider) nicht für alle privaten Hochschulen gilt: privat heisst, dass der Staat hierfür kein Geld aufwenden muss.

Man könnte das auch anders sehen: Immerhin werden an der Bucerius Law School rund 100 Juristen pro Jahr ausgebildet, für die der Staat die Ausbildungskosten an öffentlichen Hochschulen spart. Aber: privat ist privat, die Stadt Hamburg hat Bucerius ja nicht "bestellt", also braucht sie dafür auch nicht aufzukommen.

Man könnte es auch noch anders sehen: Für jeden Studierenden der Bucerius Law School, der seinen Wohnsitz nach Hamburg verlegt, bekommt Hamburg rund 3.000 € pro Jahr aus dem Länderfinanzausgleich. So gesehen profitiert Hamburg regelrecht von Bucerius - vom Imagegewinn des Wissenschaftsstandorts ganz abgesehen (wie ich neulich hörte: "Bucerius ist Hamburgs Antwort auf die Exzellenzinitiative").

Allerdings kann das mit der "umgekehrten Subventionierung" auch zu weit gehen: Hamburg bekommt für jeden Studienplatz, der seit einem bestimmten Stichtag zusätzlich geschaffen wurde, pro Student und Jahr rund 22.000 € aus dem Hochschulpakt II der Bundesregierung. Da bei der Berechnung für Berlin auch die Bucerius-Studierenden mitgezählt wurden, sind der Stadt rund 600.000 € zugeflossen. Auf die Idee, dass dieses Geld womöglich nach dem "Verursacherprinzip" an die Bucerius Law School zurückfließt, ist leider bislang niemand gekommen. Andere Bundesländer hatten die Größe, hier den privaten ihren Anteil zukommen zu lassen.

Vielleicht kommt statt dessen ja bald eine Postkarte der staatlichen Universität, in der sie sich z. B. für eine neue IT-Ausstattung bedankt. Wenn wir sogar zum Sektempfang eingeladen werden schlage ich vor, dass alle Studierenden mitkommen. Sie haben schließlich zu 23% dazu beigetragen.

1 Kommentar:

  1. Zum Thema:

    Privatuni-Boomtown Berlin: Geheime Gelddruckmaschine für das Land

    http://pamanager.blogspot.com/2010/11/privathochschulen-gelddruckmaschine-fur.html

    Zunehmend stellt sich die Frage, warum das Land Berlin so großzügig Privathochschulen lockt und eine relativ lockere Aufsicht praktiziert. An der Parteiprogrammatik von SPD und Linke kann's ja nicht liegen. Gibt es über die "weichen" Wirtschaftsstandortfaktoren hinaus etwa noch finanzielle Gründe? Ja – Berlin kassiert für seine privat Studierenden Geld vom Bund - aber reicht dieses Geld nicht an die Privatunis weiter, sondern stopft damit die Lücken im staatlichen Hochschuletat.

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