Mittwoch, 7. Juli 2010

Gute Forschung, gute Lehre

Unter Deutschlands Juraprofessoren fand man immer schon hervorragende Wissenschaftler, aber selten gute Lehrer. Das hat sich mit Bucerius zum Glück geändert“, meint Joseph Weiler von der NYU. Bei einem gemeinsamen Mittagessen Anfang Juli in seinem Institut am Washington Square hat der berühmte und streitbare Völker- und Europarechtler, der den Jean Monnet Stiftungslehrstuhl innehat, aus seiner Überzeugung keinen Hehl gemacht, woran es der deutschen Juristenausbildung mangelt: Hochschulen, die sich ihre Studierenden nicht auswählen können, verschwenden ihre Kräfte im Kampf mit der Mediokrität. Ohne (hohe) Studiengebühren wird es nie dazu kommen, dass Professoren die Lehre ernst nehmen, aber dazu seien sie in erster Linie da. Wer sein Gehalt vom Ministerium beziehe, fühle sich den Studierenden am Ende auch nicht verpflichtet.

Auf meine Einschätzung, dass diese Haltung in Deutschland schnell als „neoliberal“ abqualifiziert würde und bei den Deutschen – angesichts der Abschaffung der Studiengebühren in vielen Ländern – das Gut „Kostenlose Bildung“ hohen Stellenwert habe, erwiderte Weiler, er empfinde sich eher als Kommunist, im Sinne des Diktums von Karl Marx: „Jeder nach seinen Fähigkeiten“. Also: Need-Blind-Admissions, hohe Studiengebühren mit Finanzierungsmodellen à la UGV (der übrigens auch „Australisches Modell“ genannt wird, weil auch dort Studiengebühren nachgelagert aus späterem Einkommen gezahlt werden können), kleine Gruppen, intensive Betreuung, permanente Evaluation und Verbesserung der Lehre durch die Studierenden. Unsozial sei das deutsche Modell, bei dem die Gesamtbevölkerung über die Steuern für die Kosten des Studiums aufkommen müsse, das soziodemographisch am stärksten den Kinder aus (finanziell besser gestellten) Akademikerhaushalten zu Gute komme.

Und die Forschung? Ohne Wissenschaft wird niemand zum guten Lehrer. Denn es kommt nicht nur darauf an, wie man unterrichtet, sondern auch was. Das setzt gute Forschung voraus. „Nur wer für seine Wissenschaft brennt, wird ein engagierter und mitreißender Lehrer sein können. Die Deutschen sollten mit der Mär aufhören, Forschung und Lehre gegeneinander auszuspielen. Das eine ist für das andere da.“

So kann man Humboldt auch interpretieren.

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