Mittwoch, 21. Juli 2010

Urlaubslektüre (nicht nur) für Juristen

WenzDay macht eigentlich Urlaub, ist aber nicht wirklich „off“ (wie der SPIEGEL diese Woche ja titelte). Wer beim Ausspannen, Chillen, Loungen, oder wie auch immer man das Urlaubsverhalten dauerbeschäftigter Großstädter nennen mag, auf juristische Geschmacksnoten bei der Lektüre nicht verzichten mag, kann sich ja an folgende Vorschläge halten:

Ferdinand von Schirach: Verbrechen
Knappe Sprache, lakonisch und dennoch präzise, tiefgründig und mit sicherem Gespür dafür, dass im Recht alles klar scheint, im Leben aber nichts klar ist. Lauter kurze Geschichten, gut für zwischendurch.

Martin Suter: Die dunkle Seite des Mondes
Nicht mein Lieblings-Suter (das ist „Der letzte Weynfeldt“, der hat aber keinen Juristen zum Protagonisten), aber Urs Blank ist schon ein Schweizer Prototyp, dessen Willen zum Ausbrechen aus der Welt der Zürcher Großkanzlei seltsam (und im Wald) endet. Schräge Story, mit Suters scharfem Blick auf die Welt des großen Business.

Wilfried Hassemener: Warum Strafe sein muss
Wieso fällt uns auch im 21. Jahrhundert meist nichts Klügeres zu Verbrechern ein, als sie wegzusperren? Hassemer, ehemaliger Bundesverfassungsrichter, geht der Frage historisch und systematisch nach, dabei schreibt er gut lesbar. Er zeigt auch, dass ein zu rigoroses Strafen nicht etwa Verbrechen verhindert, sondern im Gegenteil zu einer allgemeinen Brutalisierung führt. Strafe und Gesellschaft formen und bedingen einander… Abends auf der Terrasse, zwei Glas Wein dazu.

Uwe Wesel: Geschichte des Rechts.
Der Kontext! Endlich kann man einsortieren, woher das alles kommt und wer’s erfunden hat (nein, nicht die Schweizer). Wesel fängt bei den Höhlenmenschen an und arbeitet sich über die Hochkulturen bis in die Jetztzeit. Seine „Sozialisation“ als alter Linker aus Bremen kann er dabei natürlich nicht verbergen. Leider schlampig lektoriert, aber ein großartiges Werk. Auf langen Bahnfahrten.

Robert Alexy: Theorie der Grundrechte
Zugleich seine Habil. Maßstabsetzendes Werk. Macht als suhrkamp Taschenbuch auf dem Strandlaken mächtig Eindruck, allerdings nur bei KomilitonInnen, die auf so was stehen.

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