Mittwoch, 30. Juni 2010

Wettbewerb statt Akkreditierung

Wie sichert man Qualität an Hochschulen? Die deutsche Antwort lautet: durch Akkreditierungsverfahren. Diese sind in jedem Bundesland zwar etwas unterschiedlich geregelt, funktionieren aber nach dem gleichen Prinzip: Die „Stiftung zur Akkreditierung von Studiengängen in Deutschland“, die von der Kultusministerkonferenz ins Leben gerufen und ausgestattet wurde, akkreditiert durch ihren Akkreditierungsrat Akkreditierungsagenturen, die als privatwirtschaftlich geführte „Uni-TÜVs“ wiederum Studiengänge und womöglich bald ganze Hochschulen auf Qualität durchleuchten und ihnen – im Erfolgsfall – das Akkreditierungssiegel verleihen. So weit, so gut, deutsch und bürokratisch.

In den Hochschulen hat diese Form der Qualitätssicherung wenig Freunde, allerdings aus unterschiedlichen Gründen: Zu Recht ärgern sich viele über den Verwaltungsaufwand, der damit verbunden ist: Regalmeter an Leitz-Ordnern, um einem Akkreditierungsgremium, das aus drei fachfremden Professoren besteht, die Abläufe und Inhalte zu erklären. Dazu ein reger Austausch auf der „Arbeitsebene“, bei der auf der Seite der Akkreditierungsagentur ein bemühter Referent die Hochschule z. B. noch einmal darum bittet, die Modularisierung der Übung für Vorgerückte stärker herauszustellen und den „workload“ der Anzahl der ECTS-credits anzupassen. Viele Hochschulen beklagen daher auch Formalismus und mangelnde inhaltliche Erkenntnis der Agenturen, nach dem Motto: „Wir könnten hier jeden Nonsens unterrichten, Hauptsache modularisiert und Bologna-konform“. Natürlich gibt es auch Hochschulen, die das Akkreditierungsverfahren kritisieren, weil sie hausgemachte Probleme nicht zugeben wollen. Blumige Erklärungen, warum man ein Siegel nicht bekommen habe, gibt es von manchem Hochschulpräsidenten. Schließlich gibt es das ordnungspolitische Problem, dass die Agenturen privatwirtschaftlich verfasst sind, aber quasi-hoheitlich handeln. Die Kritik ist übrigens der an Rating-Agenturen der Finanzwelt nicht unähnlich.

Die einzigen mir bekannten Rebellen, die es gewagt haben, gegen die „Akkredititis“ gerichtlich vorzugehen, sitzen an der SRH-Fachhochschule in Hamm. Der SRH ist vor zwei Jahren die Akkreditierung von zwei Studiengängen verweigert worden, dagegen hat sie geklagt. Das Verwaltungsgericht hält die Überprüfung von Studiengängen in der jetzigen Form für verfassungswidrig, wie Marion Schmidt am 17. Juni in der FTD schreibt. Nun ist das Bundesverfassungsgericht am Zuge, man darf gespannt sein.

Was passiert, wenn die bisherige Form der Akkreditierung gekippt wird? Mein Vorschlag: Wir führen den Wettbewerb als Entdeckungsverfahren ein. An Business Schools, die im internationalen Wettbewerb stehen, gibt es freiwillige internationale Akkreditierungssiegel wie EQUIS, die man haben muss, wenn man zu den seriösen Hochschulen zählen will. Hier ist es das Interesse der Hochschule, durch „signalling“ deutlich zu machen, in welcher Liga man spielt. Hinzu kommen externe Rankings (CHE, Wirtschaftswoche), die die Attraktivität für Studierende widerspiegeln. In ihnen steckt auch die wissenschaftliche Reputation einer Einrichtung. Am Ende aber stimmen die Lehrenden und die Lernenden mit den Füßen ab: Der Andrang von Studierenden und die Attraktivität für Professoren ist das beste Signal für die Qualität einer Hochschule. Die Voraussetzung wäre allerdings, dass nicht nur Studierende sich ihre Hochschule, sondern auch Hochschulen sich ihre Studierenden aussuchen können:

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