Mittwoch, 25. August 2010

Der „Goldstandard“ der Juristenausbildung

Karen Sloan berichtet im amerikanischen „National Law Journal“ vom 16. August 2010, dass die American Bar Association (ABA) von einem ihrer Ausschüsse aufgefordert worden sei, ausländische Juristische Hochschulen zu akkreditieren.

Das ist ein echtes Politikum, Eingeweihte wissen das: Die ABA, im Prinzip die amerikanische Rechtsanwaltskammer, akkreditiert (fast alle) US Law Schools, weil diese auf das „bar exam“, das amerikanische Staatsexamen vorbereiten. Keine Anwaltszulassung ohne bar exam, selbst in den USA.

Bislang hat sich die ABA mit Händen und Füßen gewehrt, Law Schools oder Studiengänge außerhalb der USA zu akkreditieren. Eine der wenigen Ausnahmen (und wahrscheinlich die einzige in Europa) ist das International Program der Bucerius Law School: hier von US-Amerikanern erworbene credits werden von der ABA anerkannt und können für das bar exam angerechnet werden. Ohne diese Anerkennung hätten wir nicht Austausch mit 32, sondern mit null US Law Schools – kein Amerikaner geht ein halbes Jahr ins Ausland, wenn er/sie dafür keine credits mit nach Hause nehmen kann. Und die Austauschplätze für Bucerius-Studenten gäbe es im Umkehrschluss auch nicht.

Die Vorstellung der Kommission lautet nun, die ABA solle diejenigen Law Schools außerhalb der USA akkreditieren, die nach dem amerikanischen Modell (JD) ausbilden. Mehr als 4.000 im Ausland ausgebildete Juristen pro Jahr würden das bar exam ablegen wollen, die meisten in New York oder Kalifornien. Dazu zählen zwar sicherlich auch die vielen internationalen LL.M.-Studenten, von denen die meisten wieder in ihre Heimatländer gehen, den Titel für die Visitenkarte mitnehmen, aber nie als „Attonrey at law“ in New York auftreten werden. Trotzdem: weil das bar exam Qualitätssicherungsfunktion habe, sei es nur konsequent, überall dort zu akkreditieren, wo darauf vorbereitet werde. Wenn die ABA nicht auch außer Landes akkreditiere, könne es keinen einheitlichen Standard für die Zulassung zu den bar exams in den USA geben.

Bemerkenswert ist die Einschätzung zur Bedeutung der Juristenausbildung in den USA: "If we believe that the American legal education model is the 'gold standard' for legal education world-wide and that well-trained lawyers are critical to the global economy, then a willingness to expand accreditation to schools embracing the American model is an appropriate way to improve the training of lawyers globally and contribute to the modern economy and the international legal profession," so die Kommission.

Das bringt zumindest die Staatsexamensverfechter auf die Zinnen, wenn die amerikanische Juristenausbildung zum „Goldstandard“ erklärt wird. Nota bene: Japan stellt auf den JD um und auch Australien hat den LL.B. als undergraduate zugunsten eines graduate JD aufgegeben. Mal sehen, wann statt des LL.B. mit EVP der JD als Voraussetzung für die Meldung zur Ersten Prüfung anerkannt wird…

1 Kommentar:

  1. Ich hätte wirklich nichts gegen einen J.D.-Titel als Zusatz-Kriegsbemalung. Aber den J.D.-Studenten möchte ich mal sehen, der mit dt. Staatsexamensklausuren klar kommt. Unabhängig von der Sprache der Prüfung.

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