Mittwoch, 1. September 2010

Verfassungspatrioten

John Lewis, Jahrgang 1940, ist einer der herausragenden Bürgerrechtler der USA. Er ist Demokrat aus Atlanta und Mitglied des Repräsentantenhauses. Bei einem "Town Hall Meeting" an der Bucerius Law School hat er heute abend im Gespräch mit Tom Buhrow an seine gemeinsame Zeit mit Martin Luther King , Jr. erinnert und dem Auditorium eindrucksvoll vermittelt, welche Bedeutung der Bügerrechtsbewegung im amerikanischen Selbstverständnis zukam und zukommt.

Mich hat das an das Gefühl erinnert, das man bei einem Besuch der "national monuments" in Washington, DC bekommt: Diese Nation ist bereit, für diesen einen zentralen Gedanken, um dessen Bedeutung sie im eigenen Land selbst immer wieder ringen muss, sogar in Kriege zu ziehen. Die Freiheit des Einzelnen, dessen Entfaltung davon abhängt, dass der Gedanke bürgerlicher Freiheits- und Abwehrrechte das gesamte Gemeinwesen durchdringt, ist der Kern der amerikanischen Verfassung. Dieser eine Gedanke hält die gesamte Nation zusammen und bezieht seine Kraft aus jedem einzelnen seiner Bürger.

Meine These lautet: Im Durchschnitt kennen US-Amerikaner ihre Verfassung besser und können "The Rule of Law" besser erklären als Deutsche dies im Durchschnitt mit unserer Verfassung könnten. Dolf Sternbergers "Verfassungspatriotismus" passt jedenfalls besser in die USA als nach Deutschland...

1 Kommentar:

  1. Da wäre ich gerne dabei gewesen.

    "um dessen Bedeutung sie im eigenen Land selbst immer wieder ringen muss," Das ist der zentrale Satz in Ihrem Beitrag, m.M. nach ist es keine gute Sache, wenn die Bürger den Sinn der Verfassung kennt, dieser aber nicht gelebt wird, siehe das staatliche Interventionsregime in Amerika. Ähnlich wie die fundamentalistischen Christen in Amerika, die Toleranz aus der Bibel predigen, und amerikanische Werte hochhalten (schliesslich gehört Religionsfreiheit dazu), diese aber kaum praktisch vertreten (wobei man bei der religionsfreiheit anmerken muss, dass diese historisch wohl eher für christlische Konfessionen als für alle Weltreligionen galt).

    - Niklas Dehio

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