Mittwoch, 8. September 2010

Vom ungleichen Wettbewerb

Über den ungleichen Wettbewerb privater mit staatlichen Hochschulen war hier bereits die Rede. Nachzutragen wäre noch die Geschichte der Exzellenzinitiative(n): Die des Bundes und der Länder hatte die staatlichen Hochschulen im Fokus und richtete sich auf herausragende Projekte in der Forschung. Ziel war, die faktisch längst überholte Fiktion, alle Unis seien im Prinzip gleich gut, auch in der Wirklichkeit ankommen zu lassen: so wurden „Exzellenzuniversitäten“ ausgemendelt, die sich so bezeichnen und ihrem Sein nun auch das Bewusstsein folgen lassen dürfen. Ein vielleicht nicht im Detail, aber im Ansatz richtiger und überfälliger Schritt.

Wo denn die Lehre bliebe, fragten daraufhin viele. Schließlich wurde nur die Forschung in puncto Exzellenz bewertet. Und um dem Humboldt-Reflex zu genügen, riefen die Kultusministerkonferenz und der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft den „Wettbewerb exzellente Lehre“ aus. Antragsberechtigt waren „staatliche Hochschulen sowie staatlich anerkannte Hochschulen, sofern sie überwiegend staatlich refinanziert werden“. Letzteres trifft auf die Bucerius Law School, aber zum Beispiel auch auf die WHU – Otto Beisheim School of Management, die Hertie School of Governance oder die Zeppelin University (also die seriösen, forschungsorientierten Privaten) gerade nicht zu. Die Frage, warum es bei der Qualität der Lehre darum gehe, zu welchen Teilen Staat oder Private die Hochschule finanzierten, konnte mir leider niemand beantworten.

Nun warte ich gespannt, ob die nächste Exzellenzinitiative für die Forschung ausschließlich privaten Hochschulen offensteht, die ohne öffentlichen Mittel auskommen…

Kommentare:

  1. Ich hoffe, dass in diesem Fall die BLS davon absehen würde, um öffentliche Gelder zu werben: Wir können stolz darauf sein, erstklassige Bildung ohne jegliche staatliche Unterstützung anzubieten!

    Wer sich das politische Hickhack um die juristischen Gehversuche der EBS anschaut, erkennt auch, dass öffentliche Gelder einen hohen Preis mit sich bringen: Man wird zum Spielball politischer Kräfte, die ganz anders wirken als man es anderswo gewohnt ist. Im schlimmsten Fall muss man Personen in sein Konzept reinreden lassen, die nicht durch Leistung, sondern durch Gewähltwerden in ihre Position gekommen sind. Dies ist keineswegs wünschenswert, größtmögliche Entfernung zu dieser Veranstaltung steht uns gut!

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  2. Nun, auch ich bin kritisch öffentlichen Geldern in der BLS gegenüberstehend. Allerdings wäre ein Wettbewerb (sofern er fair und ohne zuviel politischen Einfluss) abläuft, eine gute Möglichkeit sich für eine staatliche Föderung zu qualifizieren. Schliesslich möchte die BLS hoffentlich nicht in eine Ecke mit solchen halbseidenen Institutionen wie der European Business School (EBS) gestellt werden...

    N.D.

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