Mittwoch, 13. Oktober 2010

Studieren an privaten Hochschulen


Der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft hat jüngst gemeinsam mit McKinsey eine Studie über private Hochschulen in Deutschland vorgestellt. Sie zeigt, wie unterschiedlich private Hochschulen sein können, und dass nur wenige von ihnen universitären Anspruch haben.


Die Bucerius Law School, die auf Seite 50 portraitiert wird, ragt als forschungsorientierte Stiftungshochschule heraus. Woran aber macht sich der Unterschied zu vielen anderen privaten Hochschulen fest? 12 Unterschiede:

1. Die langfristige Finanzierung der Hochschule
Viele private Hochschulen sind unsicher finanziert oder sind als bloße Ausbildungseinrichtungen unmittelbar auf Studiengebühren angewiesen. Anders die Bucerius Law School. Sie „gehört“ der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, einer der größten Stiftungen in Deutschland, die die Hochschule mit rund 8 Mio. Euro pro Jahr und damit mehr als der Hälfte des Budgets fördert. Sie hat der Stadt Hamburg gegenüber eine Garantiererklärung abgegeben.

2. Vollwertige Lehrstühle mit Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeitern
An vielen privaten Hochschulen werden günstige Lehrkräfte aus der Praxis als Lehrpersonal herangezogen, die selbst jedoch nur selten am wissenschaftlichen Diskurs teilnehmen. An der Bucerius Law School unterrichten weit überwiegend hauptamtliche Professoren und in den Kleingruppen wissenschaftliche Mitarbeiter. Das ist ein Qualitätsargument: Professoren, die an voll eingerichteten Lehrstühle forschen, garantieren ein intellektuell herausforderndes „forschungsnahes Lernen“ und kein bloßes Repetitorium. Lehrbeauftragte aus der Praxis ergänzen das Angebot. Hier gilt: Bildung ist mehr als Ausbildung, Jura mehr als Rechtstechnik.

3. Internationalität
Viele private Hochschulen werben mit ihren internationalen Kontakten, die oftmals allerdings nur auf dem Papier bestehen und nur selten tatsächlich echten Austausch bieten. Oder: man kann sich dort zwar bewerben, aber es gibt keine feste Zusage. Die Bucerius Law School hat Austauschabkommen mit 92 Partnerhochschulen, die alle jedes Jahr Studienplätze anbieten, darunter die NYU, Stanford, Berkeley, Michigan, Penn, Georgetown, Duke, Cornell, Boston College, AU, Seattle, Washington&Lee, Osgoode, Oxford, Cambridge, King’s College London, LSE, Lund, Buenos Aires, Santiago, Fudan, Waseda, NUS, HKU, Stellenbosch, Cape Town, Sydney, Melbourne, Wellington.

4. Selektivität der Studierendenauswahl
Manche private Hochschulen nehmen es nicht so genau: Ziel ist es, eine bestimmte Anzahl an Studienplätzen zu vergeben. Wer die offiziellen Kriterien verfehlt, bekommt eine zweite oder gar dritte Chance, manchmal verbunden mit einem kostenpflichtigen „Crashkurs“. Oft gibt es auch kaum mehr Bewerber, als Studienplätze zu vergeben sind. Dabei ist Selektivität ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Die Bucerius Law School nimmt pro Jahr zwischen 108 und 116 Studierende auf. Dieses Jahr haben knapp 1.000 Bewerber ihre Online-Bewerbung eingereicht, 621 Bewerbungen davon gingen mit den erforderlichen Nachweisen schriftlich ein und wurden zum schriftlichen Test zugelassen, 218 Bewerber kamen in den mündlichen Teil des Verfahren, 114 Studierende wurden aufgenommen. Es gibt keinen Weg an diesem objektiven Verfahren vorbei. Man kann sich nur einmal im Leben bewerben. Hart, aber fair und transparent – und es sichert Qualität.

5. Studienfinanzierung
Viele private Hochschulen bieten Finanzierungsmöglichkeiten an, die beim Lesen des „Kleingedruckten“ unattraktiv werden. Fixe Darlehen können nach Ende des Studiums schnell zu einer großen und andauernden finanziellen Belastung werden. Die Bucerius Law School bietet deshalb allen Studierenden einen „Umgekehrten Generationenvertrag“ an: wer nicht jetzt bezahlen kann oder will, zahlt nach Ende seines Studiums zehn Jahre lang zehn Prozent seines Einkommens an die Hochschule. Hohes Einkommen – hohe Rückzahlung, niedrigeres Einkommen – niedrigere Rückzahlung, kein Einkommen – keine Rückzahlung. Einfach, fair und vor allem ohne Risiko.

6. Akademische Exzellenz
Viele private Hochschulen haben keinen wissenschaftlichen Anspruch, sondern sind Ausbildungseinrichtungen. Die Bucerius Law School zeichnet sich durch ihre Forschungsstärke aus. Das zieht nicht nur die besten Professoren, Habilitanden und Doktoranden an, sondern auch Drittmittel und interessante akademische Projekte. Was haben die Studenten davon? Nicht nur die inspirierende Nähe zu den neuesten Themen der Forschung, auch die Begegnungen mit Professoren und ihren Gedankengebäuden machen das Wesen der Wissenschaft aus: die renommiertesten Hochschulen weltweit sind stark in der Forschung.

7. Chance zur Persönlichkeitsentwicklung
Viele private Hochschulen bieten ein Studium generale an. Oft reicht es aber nicht über ein vergünstigtes FAZ-Abo, einen gemeinsamen Theaterbesuch und den Gastvortrag eines ehemaligen Politikers hinaus. Die Bucerius Law School bietet ein anspruchsvolles Studium generale, das aus thematischen Reihen besteht, in denen auch Leistungsnachweise erbracht werden müssen (Technik, Philosophie…).Hinzu kommen Abendveranstaltungen, für die sich Hamburg als internationale Metropole besonders anbietet: Politiker und Wirtschaftslenker aus Deutschland und den USA sind regelmäßig auf dem Campus zu Gast. Durch die Kooperationen mit der ZEIT-Stiftung treffen sich hier Literaten, Historiker, Politikwissenschaftler und Journalisten. Die Bucerius Law School ist in Hamburg und mit Wirkung weit darüber hinaus eine Ort des Geisteslebens und ein gesellschaftlicher Anziehungspunkt.

8. Campus und Stadt
Viele private Hochschulen sehen nur im Prospekt gut aus. Wenn man den Campus besucht, stellt man fest, dass die Gebäude in schlechtem Zustand sind, die Bibliothek ihre Bezeichnung nicht verdient, die Mensa zu klein ist, die Coffee Lounge nur aus einer Automatenecke besteht und der ganze Campus am falschen Ort ist. Die Bucerius Law School liegt mitten in der pulsierenden Metropole Hamburg und doch im Grünen, in einem denkmalgeschützten Bau, der komplett renoviert wurde und ideale Hörsaal- und Seminarkapazitäten bietet. Das Campus- Ensemble für optimale Lern- und Lebensbedingungen runden eine Bibliothek mit 550 Plätzen, eine große Mensa, eine Coffee-Lounge und ein Fitnesscenter ab.

9. Die Kommilitonen
Viele private Hochschulen haben mit dem Vorurteil zu kämpfen, dass dort nur Kinder reicher Eltern studieren, die sich zudem durch "schnöseliges" Verhalten auszeichnen. Leider stimmt das Klischee auch immer wieder. Das Auswahlverfahren an der Bucerius Law School ist rein „merit-based“. Es zieht junge Menschen an, die besonders talentiert und besonders leistungsbereit sind. Sie kommen aus verschiedenen Lebenshintergründen und verfolgen ganz unterschiedliche Ziele, sind aber alle bereit, mehr zu leisten und sich überdurchschnittlich zu engagieren. Sie sind alle überdurchschnittlich intelligent und sehr individuell. Die Zusammensetzung der Studierenden ist heterogener und daher im Ergebnis kreativer, innovativer und bunter als an vielen staatlichen juristischen Fakultäten und als an manch anderen privaten Hochschulen.

10. Die Examina  
Viele private Hochschulen vergeben einen Bachelor of Heisasa und einen Master of Tralala. An der Bucerius Law wird ein Bachelor of Laws (LL.B.) verliehen, der akkreditiert ist und internationalen Standards entspricht. Zudem legen die meisten Studierenden die juristischen Staatsexamina ab, und das mit überdurchschnittlichem Erfolg: 70 Prozent mit Prädikat, im Schnitt rund 10 Punkte. Wer das Joachim Herz Program absolviert, erlangt den Bucerius/WHU Master of Law and Business (MLB).

11. Praxisrelevanz
Viele private Hochschulen bilden praxisnah aus. Darin liegt eine der wesentlichen Stärken der privaten Organisationsform. An der Bucerius Law School verzahnen sich Pflichtpraktika im In- und Ausland mit Vorträgen von Praktikern an der Hochschule zu einem "Studium Professionale", das früh über Berufsfelder und Einsatzmöglichkeiten informiert. Jeder Absolvent kann aus mehreren Angeboten auswählen.

12. Der Stifter
Gerd Bucerius war Verleger, Unternehmer, Politiker, Richter, Anwalt - ein Querdenker unter den Juristen. Und er war ein Mäzen. Seiner Stiftung verdankt die Bucerius Law School ihre Existenz, seinem Geist fühlt sie sich verpflichtet: Unbequem, unternehmerisch, akademisch exzellent, nie mit sich selbst zufrieden und dem Gemeinwohl verpflichtet. Das ist das Alleinstellungsmerkmal der Bucerius Law School. 

Kommentare:

  1. (Zu 5.) Entspricht nicht auch die Anzahl der BAföG-Empfänger prozentual derer an staatlichen Fakultäten?

    (Zu 9.) Hat nicht die BLS eine der höchsten Stipendiatenquoten überhaupt?

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  2. zu 5. Das ist von Jahrgang zu Jahrgang sehr unterschiedlich. Die BAföG-Quote lag 2009 bundesweit bei 23 Prozent. Wir hatten vor 2008 einen ähnlichen Wert, 2009 waren es hingegen nur 12 Prozent. Die aktuelle Zahl ermitteln wir gerade. Einen Trend nach unten gibt es allerdings auch an staatlichen Hochschulen, da die Bemessungsgrenze nicht mit der Einkommensentwicklung angehoben wurde. Das wiederum merken wir bei vielen UGV-Anträgen, die knapp über der BaföG-Grenze liegen (und hier natürlich trotzdem einen UGV bekommen).

    9. Das halten wir nicht im einzelnen nach. Wir wissen aber bspw. von der Studienstiftung des deutschen Volkes, dass unter den privaten Hochschulen die Bucerius Law School diejenige mit dem höchsten Anteil an Studienstiftlern ist (11 Prozent in 2009).

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  3. zu 9.: Das gilt nicht nur für die privaten, sondern für ALLE deutschen Hochschulen. Keine deutsche Hochschule hat einen höheren Anteil an Stipendiaten der Studienstiftung (vgl.den Jshresbericht der Studienstiftung). Über die Quoten anderer Förderwerke sind keine Daten bekannt.

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  4. Zu Nr. 5: Finanzierung durch den UGV

    Als ich den UGV vor Jahren vor mir liegen hatte, war ich schockiert über diesen Vertrag!

    Wenn die Rückzahlsumme von 36.000 EUR nicht erreicht, nachdem 10 Jahre gezahlt wurde, dann sollte der Restbetrag zzgl. Zinsen mit einem Mal fällig gestellt werden. Ein risikoloses Studieren, so wie angepriesen, war dadurch keineswegs möglich!

    Genauso war man zwingend an den UGV gebunden, kann aus ihm nicht aussteigen, ohne gleichzeitig exmatrikuliert zu werden. Auch das halte ich für keine gelungene Lösung.

    Die Nutzungsgebühren waren damals ebenfalls nicht vom UGV umfasst.

    Und der Hammer war für mich: Der originäre Anwendungsbereich des UGV sind BAföG-Empfänger. Diese zahlen dank Bucerius Stipendium nur die Hälfte der Studiengebühren.

    Jetzt stellt man UGV und Deutsche Bank-Darlehen mal gegenüber:

    UGV: Rückzahlsumme in jedem Fall (siehe oben) 36.000 EUR zzgl. Zinsen. Maximal über 70.000 EUR(!)

    BAföG-Empfänger mit Deutsche Bank Darlehen: 18.000 EUR zzgl. Zinsen.

    Ich war als Abiturient nicht in der Lage, das Soziale dieses UGV zu sehen. Und ich sehe es auch heute nicht.

    Mit Studiengebühren in dieser Höhe und solchen Verträgen wird es immer Studenten abschrecken, an der Bucerius Law School zu studieren.

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  5. Das stimmt - und zwar bei Weitem!

    http://www.studienstiftung.de/fileadmin/files/Taetigkeitsbericht2009.pdf ab S.28

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  6. Zum UGV: Im Jahr 2006 hat eine Kommission aus Studenten, Alumni, Professoren und Hochschulleitung den UGV überarbeitet und diese "Kinken" beseitigt, die real zwar nie Probleme machten, dem eigentlichen Geist des UGV aber entgegen standen. Der jetzige UGV hält, was wir versprechen: risikolose Finanzierung des Studiums.
    Gruß
    Hariolf Wenzler

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