Mittwoch, 24. November 2010

Leland, Elihu, John, Edmund und Gerd

Was verbirgt sich hinter diesen Namen? Es handelt sich um fünf Universitätsstifter: Leland Stanford, Elihu Yale, John Harvard sowie Edmund Siemers und Gerd Bucerius. Sie haben ihr Vermögen Hochschulen vermacht. Ob Sie dazu auch ein "Deutschland-Stipendium" animiert hätte?

Frau Schavan sagt dazu: "Mit dem Deutschlandstipendium legen wir den Grundstein für den Aufbau einer neuen, starken Stipendienkultur. Damit verbessern wir das Verhältnis der Hochschulen zu ihren Studierenden und knüpfen dauerhaft starke Bande. Das Deutschlandstipendium ist neben BAföG, bedarfsgerechten Bildungsdarlehen und den Stipendien der Begabtenförderungswerke die vierte stabile Säule der Studienfinanzierung. Es ist damit ein weiterer wichtiger Beitrag zu mehr Bildungsgerechtigkeit in Deutschland. Dabei orientieren wir uns an Ländern wie den USA. Die Erfahrung dort zeigt: Wer selbst ein Stipendium bekommen hat und später gut verdient, möchte zurückgeben, was ihm Hochschule und Gesellschaft an Unterstützung und Anerkennung haben zuteilwerden lassen."

Das ist - mit Verlaub - alles unwahrscheinlich: Private 150 € plus staatliche 150 € pro Monat an begabte Studierende sind ein kleines Konjunkturprogramm für Studentenkneipen, in denen das Geld mutmaßlich landen wird. Meist von Studierenden, die das Geld nicht brauchen. An den Hochschulen kommt davon nichts an (siehe auch hier).

Man stelle sich nur für einen Moment vor, Frau Schavan hätte sich, ihrem Ministerium und den Hochschulen (die jetzt alle "Hurra" rufen und mitmachen müssen, um nicht als Spielverderber dazustehen) diesen Aufwand erspart und ihre Energie stattdessen in zwei, drei Gespräche mit vermögenden Bürgern dieses Landes investiert und sie dafür gewonnen, es wie Leland, Elihu, John, Edmund und Gerd zu tun...

Kommentare:

  1. Es bedarf nicht unbedingt Elihu, John oder Gerd. Es würde schon reichen, wenn Exzellenzförderung staatlich nachhaltig gefördert und vorangetrieben wird. Genauer gesagt, wenn universale Spitzenhochschulen entstehen.

    Oder warum schafft es Großbritannien, ohne Elihu und Gerd die besten Studenten an wenigen Orten zu konzentrieren? An staatlichen Hochschulen wohlgemerkt. Hierin besteht das Problem!

    Solange die deutsche Hochschulausbildung strikt egalitär bleibt, wird sich hier nichts ändern. Orte wie die BLS sind die Ausnahme und auf einzelne, vergleichsweise 'profitable' Studiengänge beschränkt. Nötig ist aber eine Selbstständigkeit der Universitäten, Reduktion des Länder-Klein-Kleins und die Wahrnehmung, dass es mitunter äußerst förderlich sein kann, gute Schulabgänger an einem Ort zu versammeln.

    AntwortenLöschen
  2. entnehme ich dem skeptischen Unterton, dass die BLS nicht zu den Universitäten, die sich an dem Programm beteiligen gehört?

    AntwortenLöschen
  3. @DKR: Dazu ist der Beitrag des klugen Volker Meyer-Guckel vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft lesenswert: in der FAZ vom 24. 11. schreibt er unter der Überschrift "Bundesuniversitäten? Gibt es längst!" über die Aushöhlung des Föderalismus durch Exzellenzinitiative, Drittmitelforschung und Beispiele wie Lübeck. Er kommt zur Diagnose: "Der Ländereinfluss in der Hochschulentwicklung schwindet schnell und nachhaltig."

    Fragt sich nur, was stattdessen kommt - und ob die Lage in Forschung und (!) Lehre dadurch wirklich besser wird.

    AntwortenLöschen
  4. @Sven Störmann: Für die Bucerius Law School sind das im kommenden Jahr ab April (?) maximal 2 Stipendien, also 2.400 einzuwerbende Euro. Bei einem jährlichen Spenden- und Sponsoringaufkommen von rund 1,5 Mio. Euro wird uns das schon gelingen. Ich würde allerdings die Zeit lieber dafür verwenden, Gelder für die Hochschule und ihre Entwicklung einzuwerben...

    AntwortenLöschen
  5. Trotz der geringen Höhe muss man aber die Unabhängigkeit vom Einkommen der Eltern loben. Ich kenne einige Studenten, die auf ALGII-Niveau leben aber den Rechtsweg scheuen. (Verständlicherweise: Abgesehen von den familiären Brüchen kann es Jahre dauern, bis eine Klage Erfolg hat. Da kann ein Bachelor schon vorbei sein.)

    Eine Unstimmigkeit gibt es aber wohl im Kleingedruckten. Wer schon eine Begabtenförderung von über 30€ empfängt, kann kein Deutschland Stipendium bekommen. Das trifft also auch auf Studenten zu, die aufgrund des Vermögens der Eltern nur das Büchergeld von 80€ bekommen. Müssen Geförderte nun also den Studienstiftungen den Austritt erklären, um nicht benachtiligt zu werden?

    AntwortenLöschen
  6. Gute Frage. Mein Eindruck ist, dass viele Details noch nicht feststehen und ich weiß, dass sich z. B. die Studienstiftung dieses Themas noch annehmen wird...

    Ich wäre gespannt, ob es zu Ihrer Frage eine "offizielle" Auskunft gibt?

    AntwortenLöschen
  7. Hier findet sich die Antwort:
    http://www.e-fellows.net/show/detail.php/20861

    Das Büchergeld steigt nur auf 150€. 300€ waren angeblich mit den Ländern nicht machbar. Vermutlich muss es erstmal zu einer Schieflage kommen, damit Mehrheiten erzeugt werden können.

    Denn nun wird das NSP besonders für die Kinder "reicher" Eltern interessant, die sich nun wohl reihenweise für das NSP bewerben werden und dort den Wettbewerb verschärfen. Ich sehe schon die Schlagzeile "Studie: NSP hilft vor allem den Wohlhabenden"

    AntwortenLöschen