Mittwoch, 27. Oktober 2010

Bildungswege

Wieder einmal hoher Besuch an der Bucerius Law School: Altbundeskanzler (und Jurist) Gerhard Schröder war mit seiner Frau zu Gast. Ein voll besetztes Auditorium empfing ihn mit sehr langem Applaus.

Als Abiturient des zweiten Bildungswegs hat er sein Universitätsstudium als Privileg verstanden. Und obwohl er in den sechziger Jahren in Göttingen studiert hatte, war er wohl auch wegen seiner Bildungsbiografie kein „Achtundsechziger“. Dass er später als Bundeskanzler „die Politik verhindert habe, für die er als junger Linker gekämpft habe“, gehört offenbar auch zu seinem Bildungsweg.

Bei einem Rundgang durch die Hochschule vor seinem Vortrag zeigte er sich beeindruckt – und gab zu, dass er Vorurteile revidieren musste: Unter einer privaten Hochschule hatte er sich etwas anderes vorgestellt, jedenfalls nicht unseren Zugang unabhängig vom Einkommen, die Auswahl nur nach Leistung und Persönlichkeit, die bunte und keineswegs nur konservative Studierendenschaft. Er hatte sich augenscheinlich schon zuvor intensiv mit unserer Hochschule befasst, offenbar aber auch schon andere private Hochschulen kennengelernt, die sein Stereotyp offenbar bestätigten.

Einem ernsten Vortrag folgte eine lebhafte Diskussion mit vielen, oft kritischen Fragen, aber auch mit vielen Lachern und einem gut aufgelegten politischen Profi, zu dem der Begriff des „Elder Statesman“ auch deshalb nicht passt, weil seine Präsenz und Schlagfertigkeit sehr aktuell sind.

Wir sind gespannt, bei welcher Gelegenheit er es seinen Genossen Steinmeier, Steinbrück et. al. gleichtut und sich mit der Bucerius Law School-Krawatte (Bild) zum italienischen Flanell zeigt…

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Internationalizing Legal Education II

Es klang überraschend und erfreulich zugleich: bei der Konferenz internationaler Law School Deans anläßlich des 60jährigen Jubiläums der Renmin Law School in Beijing, China, gab es zwei leuchtende Beispiel erfolgreicher Strategien der Internationalisierung der Rechtsausbildung: Georgetown und Bucerius. Darüber hat sich sicher auch Craig Hoffman, Professor an der Georgetown Law School (ganz links im Bild) gefreut, der über deren Internationalisierungsansatz und insbesondere über das "Center for Transnational Legal Studies (CTLS)" in London gesprochen hat. Das CTLS, von Georgetown 2008 ins Leben gerufen, hat mittlerweile mehr als 20 Partner Law Schools weltweit, darunter seit Beginn auch Bucerius. Neben Studienplätzen am CTLS in London gibt es Kontakt auf akademischer Ebene, Prof. Karsten Thorn hat dort mehrfach unterrichtet, und zur Zeit macht Maite Bäurle, Marketing & Admissions in unserem MLB-Programm, ein Internship bei den Kollegen in London. Dass Bucerius unter den rund 350 Teilnehmern, davon gut 100 Law School Deans aus aller Welt, über einen so exzellenten internationalen Ruf verfügt, ist erfreulich. Sicher auch das Ergebnis unseres International Program, mit dem wir nicht nur unsere Studierenden zu einem Pflichtsemester ins Ausland schicken, sondern vor allem rund 100 internationale Austauschstudenten jedes Jahr in Hamburg empfangen.

Die eigentliche Herausforderung allerdings liegt noch vor uns: Die Folgen der Globalisierung der Wirtschaft und der Internationalisierung der Wissenschaften wird im kommenden Jahrzehnt auch die Rechtswissenschaften in Deutschland verändern - möglicherweise stärker als in den vergangenen hundert Jahren. Gut zu wissen, dass uns als "Hochschule in permanenter Veränderung" die Aufgaben nicht ausgehen.

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Studieren an privaten Hochschulen


Der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft hat jüngst gemeinsam mit McKinsey eine Studie über private Hochschulen in Deutschland vorgestellt. Sie zeigt, wie unterschiedlich private Hochschulen sein können, und dass nur wenige von ihnen universitären Anspruch haben.


Die Bucerius Law School, die auf Seite 50 portraitiert wird, ragt als forschungsorientierte Stiftungshochschule heraus. Woran aber macht sich der Unterschied zu vielen anderen privaten Hochschulen fest? 12 Unterschiede:

1. Die langfristige Finanzierung der Hochschule
Viele private Hochschulen sind unsicher finanziert oder sind als bloße Ausbildungseinrichtungen unmittelbar auf Studiengebühren angewiesen. Anders die Bucerius Law School. Sie „gehört“ der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, einer der größten Stiftungen in Deutschland, die die Hochschule mit rund 8 Mio. Euro pro Jahr und damit mehr als der Hälfte des Budgets fördert. Sie hat der Stadt Hamburg gegenüber eine Garantiererklärung abgegeben.

2. Vollwertige Lehrstühle mit Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeitern
An vielen privaten Hochschulen werden günstige Lehrkräfte aus der Praxis als Lehrpersonal herangezogen, die selbst jedoch nur selten am wissenschaftlichen Diskurs teilnehmen. An der Bucerius Law School unterrichten weit überwiegend hauptamtliche Professoren und in den Kleingruppen wissenschaftliche Mitarbeiter. Das ist ein Qualitätsargument: Professoren, die an voll eingerichteten Lehrstühle forschen, garantieren ein intellektuell herausforderndes „forschungsnahes Lernen“ und kein bloßes Repetitorium. Lehrbeauftragte aus der Praxis ergänzen das Angebot. Hier gilt: Bildung ist mehr als Ausbildung, Jura mehr als Rechtstechnik.

3. Internationalität
Viele private Hochschulen werben mit ihren internationalen Kontakten, die oftmals allerdings nur auf dem Papier bestehen und nur selten tatsächlich echten Austausch bieten. Oder: man kann sich dort zwar bewerben, aber es gibt keine feste Zusage. Die Bucerius Law School hat Austauschabkommen mit 92 Partnerhochschulen, die alle jedes Jahr Studienplätze anbieten, darunter die NYU, Stanford, Berkeley, Michigan, Penn, Georgetown, Duke, Cornell, Boston College, AU, Seattle, Washington&Lee, Osgoode, Oxford, Cambridge, King’s College London, LSE, Lund, Buenos Aires, Santiago, Fudan, Waseda, NUS, HKU, Stellenbosch, Cape Town, Sydney, Melbourne, Wellington.

4. Selektivität der Studierendenauswahl
Manche private Hochschulen nehmen es nicht so genau: Ziel ist es, eine bestimmte Anzahl an Studienplätzen zu vergeben. Wer die offiziellen Kriterien verfehlt, bekommt eine zweite oder gar dritte Chance, manchmal verbunden mit einem kostenpflichtigen „Crashkurs“. Oft gibt es auch kaum mehr Bewerber, als Studienplätze zu vergeben sind. Dabei ist Selektivität ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Die Bucerius Law School nimmt pro Jahr zwischen 108 und 116 Studierende auf. Dieses Jahr haben knapp 1.000 Bewerber ihre Online-Bewerbung eingereicht, 621 Bewerbungen davon gingen mit den erforderlichen Nachweisen schriftlich ein und wurden zum schriftlichen Test zugelassen, 218 Bewerber kamen in den mündlichen Teil des Verfahren, 114 Studierende wurden aufgenommen. Es gibt keinen Weg an diesem objektiven Verfahren vorbei. Man kann sich nur einmal im Leben bewerben. Hart, aber fair und transparent – und es sichert Qualität.

5. Studienfinanzierung
Viele private Hochschulen bieten Finanzierungsmöglichkeiten an, die beim Lesen des „Kleingedruckten“ unattraktiv werden. Fixe Darlehen können nach Ende des Studiums schnell zu einer großen und andauernden finanziellen Belastung werden. Die Bucerius Law School bietet deshalb allen Studierenden einen „Umgekehrten Generationenvertrag“ an: wer nicht jetzt bezahlen kann oder will, zahlt nach Ende seines Studiums zehn Jahre lang zehn Prozent seines Einkommens an die Hochschule. Hohes Einkommen – hohe Rückzahlung, niedrigeres Einkommen – niedrigere Rückzahlung, kein Einkommen – keine Rückzahlung. Einfach, fair und vor allem ohne Risiko.

6. Akademische Exzellenz
Viele private Hochschulen haben keinen wissenschaftlichen Anspruch, sondern sind Ausbildungseinrichtungen. Die Bucerius Law School zeichnet sich durch ihre Forschungsstärke aus. Das zieht nicht nur die besten Professoren, Habilitanden und Doktoranden an, sondern auch Drittmittel und interessante akademische Projekte. Was haben die Studenten davon? Nicht nur die inspirierende Nähe zu den neuesten Themen der Forschung, auch die Begegnungen mit Professoren und ihren Gedankengebäuden machen das Wesen der Wissenschaft aus: die renommiertesten Hochschulen weltweit sind stark in der Forschung.

7. Chance zur Persönlichkeitsentwicklung
Viele private Hochschulen bieten ein Studium generale an. Oft reicht es aber nicht über ein vergünstigtes FAZ-Abo, einen gemeinsamen Theaterbesuch und den Gastvortrag eines ehemaligen Politikers hinaus. Die Bucerius Law School bietet ein anspruchsvolles Studium generale, das aus thematischen Reihen besteht, in denen auch Leistungsnachweise erbracht werden müssen (Technik, Philosophie…).Hinzu kommen Abendveranstaltungen, für die sich Hamburg als internationale Metropole besonders anbietet: Politiker und Wirtschaftslenker aus Deutschland und den USA sind regelmäßig auf dem Campus zu Gast. Durch die Kooperationen mit der ZEIT-Stiftung treffen sich hier Literaten, Historiker, Politikwissenschaftler und Journalisten. Die Bucerius Law School ist in Hamburg und mit Wirkung weit darüber hinaus eine Ort des Geisteslebens und ein gesellschaftlicher Anziehungspunkt.

8. Campus und Stadt
Viele private Hochschulen sehen nur im Prospekt gut aus. Wenn man den Campus besucht, stellt man fest, dass die Gebäude in schlechtem Zustand sind, die Bibliothek ihre Bezeichnung nicht verdient, die Mensa zu klein ist, die Coffee Lounge nur aus einer Automatenecke besteht und der ganze Campus am falschen Ort ist. Die Bucerius Law School liegt mitten in der pulsierenden Metropole Hamburg und doch im Grünen, in einem denkmalgeschützten Bau, der komplett renoviert wurde und ideale Hörsaal- und Seminarkapazitäten bietet. Das Campus- Ensemble für optimale Lern- und Lebensbedingungen runden eine Bibliothek mit 550 Plätzen, eine große Mensa, eine Coffee-Lounge und ein Fitnesscenter ab.

9. Die Kommilitonen
Viele private Hochschulen haben mit dem Vorurteil zu kämpfen, dass dort nur Kinder reicher Eltern studieren, die sich zudem durch "schnöseliges" Verhalten auszeichnen. Leider stimmt das Klischee auch immer wieder. Das Auswahlverfahren an der Bucerius Law School ist rein „merit-based“. Es zieht junge Menschen an, die besonders talentiert und besonders leistungsbereit sind. Sie kommen aus verschiedenen Lebenshintergründen und verfolgen ganz unterschiedliche Ziele, sind aber alle bereit, mehr zu leisten und sich überdurchschnittlich zu engagieren. Sie sind alle überdurchschnittlich intelligent und sehr individuell. Die Zusammensetzung der Studierenden ist heterogener und daher im Ergebnis kreativer, innovativer und bunter als an vielen staatlichen juristischen Fakultäten und als an manch anderen privaten Hochschulen.

10. Die Examina  
Viele private Hochschulen vergeben einen Bachelor of Heisasa und einen Master of Tralala. An der Bucerius Law wird ein Bachelor of Laws (LL.B.) verliehen, der akkreditiert ist und internationalen Standards entspricht. Zudem legen die meisten Studierenden die juristischen Staatsexamina ab, und das mit überdurchschnittlichem Erfolg: 70 Prozent mit Prädikat, im Schnitt rund 10 Punkte. Wer das Joachim Herz Program absolviert, erlangt den Bucerius/WHU Master of Law and Business (MLB).

11. Praxisrelevanz
Viele private Hochschulen bilden praxisnah aus. Darin liegt eine der wesentlichen Stärken der privaten Organisationsform. An der Bucerius Law School verzahnen sich Pflichtpraktika im In- und Ausland mit Vorträgen von Praktikern an der Hochschule zu einem "Studium Professionale", das früh über Berufsfelder und Einsatzmöglichkeiten informiert. Jeder Absolvent kann aus mehreren Angeboten auswählen.

12. Der Stifter
Gerd Bucerius war Verleger, Unternehmer, Politiker, Richter, Anwalt - ein Querdenker unter den Juristen. Und er war ein Mäzen. Seiner Stiftung verdankt die Bucerius Law School ihre Existenz, seinem Geist fühlt sie sich verpflichtet: Unbequem, unternehmerisch, akademisch exzellent, nie mit sich selbst zufrieden und dem Gemeinwohl verpflichtet. Das ist das Alleinstellungsmerkmal der Bucerius Law School. 

Montag, 11. Oktober 2010

The Great Firewall

Wenzday on Monday: weil der Autor die vergangene Woche in China verbracht hat, konnte der Blog nicht wie gewohnt am Mittwoch aktualisiert werden. Nicht nur Wenzday, sondern auch Facebook, Twitter und Youtube sind von China aus nicht erreichbar. Und zwar immer, nicht nur wenn ein Dissident den Nobelpreis erhält. Damit sind nicht nur rund 1 Mrd. Menschen von der Lektüre dieses Blogs ausgeschlossen, sondern auch alle Chinesen auf proprietäre Versionen angewiesen: Baidu statt Google, YouKu statt Youtube und Douban statt Facebook. Alle uns so liebgewordenen Seiten liegen hinter der "Great Firewall", wie die Studenten dort diese elektronische Form der chinesischen Mauer nennen. 

Besonders erfreulich hingegen war das Wiedersehen mit Prof. Xie Zengyi, dem Acting Director Department of Research, Administration and Foreign Affairs am Law Institute der Chinese Academy of Social Sciences (CASS), hier im Bild mit Prof. Karsten Schmidt (r.) und mir. Die CASS ist nicht nur unser langjähriger Partner in China, sondern auch die angesehenste Wissenschaftseinrichtung im Land. Das Law Institute ist international bestens vernetzt, gilt als einflussreich und kritisch und ist mit Kooperationen sehr selektiv. Einige der Absolventen waren zum Forschungsaufenthalt bereits bei Bucerius, auch Teilnehmer des MLB Programms kamen schon von dort. Wir freuen uns jedenfalls darauf, die Kooperation mit weiteren Programmen in China fortzuentwickeln und schätzen den freundschaftlichen und offenen Dialog mit einem so gewichtigen Partner in einem Land, das neben faszinierenden Perspektiven auch dramatische Spannungen aufzuweisen hat. Zai dje.