Mittwoch, 12. Januar 2011

Warnung vor dem Jurastudium?

In den USA wird eine "Warnung" der American Bar Association (ABA) erneut heiß diskutiert: sie stammt aus dem November 2009 und fragt unter der Überschrift "The Value Proposition of Attending Law School" nach dem Verhältnis von Kosten und Nutzen eines Jurastudiums. Hintergrund ist der überproportionale Anstieg der Studiengebühren an Law Schools, von denen viele auf der Welle steigender Stundensätze und Beraterhonorare der Anwälte in den wirtschaftlich starken Jahren bis 2008 mit nach oben gesurft sind. An vielen amerikanischen Universitäten wurden Law Schools zu Cash Cows mit Studiengebühren von durchschnittlich 35.000 $ p.a. an den privaten und 17.000 $ an den öffentlichen Unis. Bei einer Kreditfinanzierung kommen einschließlich der Lebenshaltungskosten schnell 100.000 $ und mehr für ein Studium zusammen.

Für ein Viertel der Absolventen immer noch eine lohnende Investition: mit Einstiegsgehältern von 160.000 $ p.a. ist die Rückzahlung darstellbar. Für knapp die Hälfte, die mit weniger als 65.000 $ einsteigt, wird das allerdings schnell zum existenziellen Problem.

Nach welchen Kriterien sollte man sich für ein Jurastudium in Deutschland entscheiden? Angesichts einer vielfältigen öffentlichen Hochschullandschaft, die (fast) nichts kostet, sind Neigung und Eignung die wichtigsten Parameter. Gleiches gilt für ein Studium an der Bucerius Law School: Durch die Möglichkeit eines finanziell risikolosen Studiums, bei dem die Studiengebühren erst nach Ende des Studiums und auch dann abhängig von der Höhe des Einkommens zurückgezahlt werden können (Umgekehrter Generationenvertrag), sind auch hier finanzielle Kriterien nicht entscheidend.

Die Neigung ist eine Frage der persönlichen Einstellung. Die Eignung testet man am besten im Auswahlverfahren der Bucerius Law School: von rund 1000 online registrierten Bewerbern im Jahr 2010 sind viele schon vor dem schriftlichen Test wieder abgesprungen, weil sie gemerkt haben, dass Jura doch nicht "ihr Ding" ist. Jura ist für viele eine black box: Man erfährt in der Schule nichts darüber.

Die anderen, die dabei bleiben und sich bewerben, sind dich dafür auch ziemlich sicher, dass es Jura sein soll. Selbst wenn es dann an der Bucerius Law School nicht klappt und der "Plan B" Heidelberg, Freiburg oder Münster heißt, ist die Wahl des Studienfachs doch bewußt getroffen worden. Und das ist ein wichtiger Indikator für den späteren Studienerfolg.

Kommentare:

  1. Dass Jura kein Jobgarant ist, sollte aber auch erwähnt werden. Zwar kostet ein Jurastudium in Deutschland nicht so viel wie in den USA, man investiert aber im Vergleich zu anderen Studienfächern sehr viel Lebenszeit.

    In Schulzeiten hat man mir oft gesagt: "Studiere, was dir Spaß macht und was dir liegt, die Jobs kommen dann von selbst." Heute würde ich einem Abiturienten raten, seine Neigungen und Eignungen gegen die Karriereaussichten abzuwägen. Die wenigsten interessieren sich nur für ein Studienfach.

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  2. Das ist quatsch, denn in dem Bereich, für den man sich interessiert wird man auch schnell gut. Das führt automatisch zu guten "Karriereaussichten".
    Erst bei genau gleichen Interessen kann man dann die Karriereaussichten abwägen.

    Schön, dass auch die BLS bei den Studiengebühren keine Grenzen zu kennen scheint. So schreckt man trotz Generationenvertrag potentielle Studenten ab. M.E. sollte der Trend umgekehrt sein, dass die Studiengebühren sinken statt zu steigen. Nur so gewinnt man die besten Köpfe und nicht die Kinder der reichsten Eltern.
    Aber das steht bei WenzDay nunmal leider nicht auf der Agenda...

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