Mittwoch, 19. Januar 2011

Zweitverwertung

In Akademia sind Zweitverwertungen mindestes unfein, im Kern sogar gegen die Regeln guter Wissenschaft (wobei mancher neue Gedanke nichts anderes ist als die Umformulierung oder Neuzusammensetzung eines alten Gedankens). Beim Publizieren gilt offenbar genau das Gegenteil: Nicht die Tatsache, dass etwas schon gesagt oder geschrieben ist, genügt - es muss auch auf allen Kanälen transportiert werden. So schließe ich mich dem Trend an: In der WELT vom 17. Januar 2011 findet sich ein Kommentar von mir. Und weil möglicherweise nicht alle die WELT lesen, gibt es hier die Gelegenheit, sich diese Lektüre über eine dringend notwendige Qualitätsoffensive an den Hochschulen und den Wert von Auswahlverfahren nicht entgehen zu lassen.

Damit dieser Beitrag aber auch eine wirklich neue Idee enthält, formuliere ich hiermit zum ersten Mal das "1. Wenzlersche Gesetz: Der Gehalt geschriebener Inhalte steht im umgekehrt proportionalen Verhältnis zur Anzahl der Verbreitungswege." Mit anderen Worten: es wird immer mehr geschrieben, dabei aber immer mehr Unnützes, Doppeltes, Belangloses, Überflüssiges, Triviales etc. produziert.

Folglich wird wahrscheinlich auch immer weniger gelesen. Damit setze ich mich aber im 2. Wenzlerschen Gesetz auseinander, das ich erst formuliere, wenn ich das erste auf allen Kanälen so oft und penetrant wiederholt habe, bis es in die Wissenschaftstheorie Eingang gefunden hat.

Widerspruch (wie immer in Akademia) ist natürlich erwünscht. Insgeheim hoffe ich aber, dass der Karl Popper-Schüler Thomas Kuhn Recht behält, nach dessen Theorie über die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen bald schon ein echter Fanclub meiner These alles daran setzen wird, sie zu verteidigen statt sie zu widerlegen - und damit die These wiederum selbst bestätigt, weil es ja nicht gehen wird, ohne auf allen Kanälen darüber zu schreiben...

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