Mittwoch, 23. März 2011

Ohne Plan B


Nach einigen WenzDays Pause (weil zwischen Hochschule, Familie, Kindern und dit un dat zuwenig Zeit blieb) gibt es heute wieder Neues – und Unerfreuliches: Hamburg hat die Endrunde der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder endgültig verpasst. Damit sind alle Chancen, doch noch irgendwie „exzellent“ zu werden, vertan. Jedenfalls nach den Kategorien dieses Wettbewerbs sind weder die Uni noch die TU Harburg auserwählt. Das Scharmützel in den Tagen nach Bekanntgabe der Entscheidung drehte sich um den Vorwurf des Unipräsidenten an die Wissenschaftssenatorin, die Stadt investiere schließlich auch zu wenig Geld in die Wissenschaft, da könne ja auch nichts Exzellentes erwartet werden, sowie die Replik der Senatorin, die genau vorrechnete, dass jedenfalls dieses Argument nicht stimme und es nicht am Geld, sondern vielleicht doch am Geist fehle.

Im Ergebnis ist das bei Leibe kein kleiner Schönheitsfehler. Das Ausmaß der Entscheidung wird deutlich, wenn man sich die Folgen ansieht: Die Landkarte von Wissenschaftsdeutschland sieht künftig so ähnlich aus wie die Karte der Wirtschaftszentren in Italien, nur anders herum: Powerhouse im Süden, Mezziogiorno im Norden. Denn dort, wo an bestens ausgestatteten Exzellenzuniversitäten geforscht wird wie z.B. in München und Karlsruhe, siedeln sich Gründerzentren, Innovationscluster, Inkubatoren, forschungs- und entwicklungsintensive Industrien an. Diese Multiplikatoreffekte verstärken den Mezzogiorno-Effekt zusätzlich. Kein Wunder, dass Hamburg mit dieser Entscheidung in der Prognos-Studie über die Zukunftsaussichten deutscher Metropolen sofort von Platz 2 auf Platz 5 abrutschte.

Dagegen kann man mit Geld praktisch nicht ankämpfen: die per Exzellenzinitiative umverteilten Mittel in Höhe von rund 3 Mrd. € (statt mit der Gießkanne für Alle nun auf ein paar Wenige, dafür aber richtig viel) sind mit Landeshaushalten überhaupt nicht einzuholen. Auch die für die Hamburger Wissenschaft wichtige Stiftungslandschaft reicht an diese Dimensionen nie und nimmer heran. Perlen wie die Bucerius Law School sind ein wichtiger privater Beitrag, und auf ihrem Gebiet auch exzellent – in der Größe aber eben Perlen und nicht Brocken.

Das Schlimmste aber ist: Hamburg hat offenbar keinen Plan B. Was tun, um die Zukunftschancen einer wachsenden Metropolregion zu sichern? Wie bewegt man kreative und talentierte Menschen im Lebensalter von 18 bis 25, in dem die Mobilität erwiesenermaßen am größten ist, doch nach Hamburg und nicht nach Freiburg, München, Stuttgart, Heidelberg zu ziehen? 

Meine These: wenn ist es nicht die Forschungsstärke ist, wie wäre es dann mit der besten Lehre? Beste Ausstattung, kleinere Gruppen, mehr Lehrpersonal, beste Betreuung? Teuer? Ja, aber kein Vergleich zu den immensen Kosten in der Forschung.

Hamburg könnte so mit seinen traditionellen Stärken punkten. Klasse Stadt, weltoffen, gute Szenen, cooler Lifestyle, Kiez und Schanze, Alster und Elbe. Wenn dann noch gute und bezahlbare Wohnbedingungen (Studentenwohnheime!) dazukommen, kann es vielleicht gelingen. Immerhin: besser als ohne Plan B.

Kommentare:

  1. Der Rektor der Uni Mannheim, Prof. Arndt, ist diese Woche gerade in HH zum Ostasiatischen Liebesmahl des OAV. Vielleicht sollte die neue Senatorin und der Unipräsident mal gemeinsam hingehen und ihn fragen, wie er eine starke BWL-Fakultät zur besten in Deutschland gemacht hat. Auch staatlich, auch allen Beschränkungen ausgesetzt... Vielleicht möchten beide aber nicht hören, dass er dafür vor allem Schwerpunkte gesetzt hat und durch Kürzungen nie "everybodys darling" sein wollte... ;-)

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  2. WIR können ihn ja fragen - er kommt am Freitag zu uns...

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  3. guter Anlass - wenn der Rahmen intim genug ist, warum nicht die Senatorin und den Unipräsidenten mit dazu laden?

    Aber bleiben wir doch im eigenen Feld: warum bringt nicht die BLS die Uni HH auf Trab - dann ist das Stiftungsgeld der ZEIT doppelt sinnvoll investiert? Man könnte doch zum Beispiel mal für ein Semester/Trimester einen Professorentausch machen. Einer der BLS lehrt an der Uni, ein Pendant an der BLS. Wenn man das gut während der Zeit begleitet und hinterher im großen Professorenkollegium auswertet, können beide Seiten lernen.

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  4. Es stimmt wohl, dass man gerade der Uni Hamburg immer mehr den Geldhahn abdreht. Ich halte aber die Governance-Probleme dort für gravierender. Die Uni ist traditionell sehr zentralistisch aufgestellt und organisiert. Dies mag in der Vergangenheit Sinn ergeben haben, als Forschung fakultätsübergreifend in einem örtlich abgegrenzten "Universum" verschiedenster Bereiche stattfand.

    Heute finden sich die Fakultäten aber in einem internationalen Wettbewerb wieder, der sowohl in Forschung als auch in Lehre maßgeblich von Spezialisierung und Profilbildung geprägt ist. Zentralisierte Entscheidungen und der "one-size-fits-all"-Ansatz haben da m.E. keinen Platz mehr. Die Uni sollte entscheiden, welche Schwerpunkte sie verfolgen möchte und den entsprechenden Bereichen mehr Autonomie zukommen lassen.

    In Mannheim hat man sich ein klares Profil gegeben und ist damit, wie ich finde, sehr erfolgreich.

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  5. Darüber wird Herr Arndt an der Bucerius Law School sprechen - wir haben ihn heute eingeladen, er hat zugessagt. Nun müssen wir nur noch einen Termin finden...

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