Mittwoch, 22. Juni 2011

Herkunft

Vieles im Leben kann man ändern oder zumindest fortentwickeln: Bildung, Manieren, Geschmack, Gewohnheiten, Lebensumstände - manches nicht. Herkunft zum Beispiel (eigentlich: Vergangenheit insgesamt. Die kann man aber verschieden deuten und auslegen und somit auch retrospektiv beeinflussen). Viele sind auf ihre Herkunft sogar stolz, bei Bayern scheint das in den Genen zu liegen, bei Rheinländern im Blut (oder im Wein), aber selbst bei Ostwestfalen gibt es dieses Phänomen. Bei mir ist es das Schwabenland, dessen sanfte Rebhänge im Unterland und dessen schroffe Schwarzwaldtäler mir zu Herzen gehen, dessen Dichterfürsten (ja: Schiller, Uhland, Hegel, Hauff und Mörike hörten sich damals so an wie Martin Walser heute) mir die Schulzeit verzierten und dessen Mixtur aus ursprüglicher Lebensfreude, Ordnungssinn und liberalem Bürgertum mich beeinflusst haben. Neben der religiösen Prägung (siehe hierzu z.B. Gerd Mielke: Des Kirchturms langer Schatten. Konfessionell-religiöse Bestimmungsfaktoren des Wahlverhaltens. In: Hans Georg Wehling (Hg.): Wahlverhalten. Stuttgart 1991, S. 139-165.) ist Herkunft sicher ein wesensbestimmendes Element persönlicher Werthaltungen. Warum der Auftakt? Weil ich mich besonders gefreut habe, von der neu gegründeten "Schwaben-Hochschulgruppe" an der Bucerius Law School zum Ehrenmitglied ernannt worden zu sein. Und weil es dafür keiner besonderen Leistung bedurfte - außer der der Herkunft, die bekanntlich keine ist. Insofern eine Besonderheit an einer Hochschule, die sich als meritokratische Einrichtung auf die Eigenschaften stützt, die verändert und fortentwickelt werden können und eben nicht auf: Herkunft.

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