Mittwoch, 6. Juli 2011

Unsterblichkeit

Sollen große Stiftungen lieber viele kleine Projekte fördern; also "anstiften"; oder sollen sie Einrichtungen auf Dauer finanzieren? Die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius tut beides. Zwei große Einrichtungen verbinden sich mit dem Namen des Stifters Gerd Bucerius: das Bucerius Kunst Forum am Hamburger Rathausmarkt, das von Ortrud Westheider und Andreas Hoffmann so erfolgreich geführt wird und sich als private Kunsthalle einen Ruf weit über Hamburg hinaus erworben hat. Und die Bucerius Law School, die den Namen des Stifters vielleicht bekannter als zu dessen Lebzeiten gemacht hat. Und dies sogar im Ausland: die frühere Präsidentin der Hamburger Universität, Monika Auweter-Kurz, berichtete mir nach einem Besuch an der Stanford University, dass sie dort mit offenen Armen empfangen worden sei und man ihr gesagt habe, wie angetan man insbesondere von ihrer Law School sei - bis sie merkte, dass sich das nicht auf die rechtswissenschaftliche Fakultät der Uni Hamburg, sondern auf Bucerius bezog. Sie nahm's gelassen und verwies auf das gutes Verhältnis zueinander.

Gerd Bucerius hat damit etwas erreicht, was er selbst gar nicht angestrebt hatte: er ist durch seine Stiftung und durch deren mutige Entscheidung, zwei große eigene Einrichtungen zu unterhalten, unsterblich geworden. Für Deutschland ist das noch immer ungewöhnlich. Während in den USA Namen wie Guggenheim und Whitney, Harvard, Yale und Stanford zu posthumen Markenzeichen geworden sind, ist es hierzulande noch eine Seltenheit. Im Hochschulbereich sind es neben Bucerius die Stifter Hertie, Jacobs, Beisheim und Zeppelin, die ihre guten Namen mit guten Hochschulen verbinden. Das sollte noch mehr Schule machen, schließlich bietet es die Chance auf Unsterblichkeit.

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