Mittwoch, 26. Januar 2011

Standortvorteil

Hamburg ist zweifellos ein perfekter Standort für die einzige private Hochschule für Rechtswissenschaft in Deutschland: Internationale Handelsmetropole, reiche Stadt mit Kaufmanns- und Bürgergeist, Stiftungshochburg, lässiger hanseatischer Lebensstil, viel Grün, coole Szenen, hippe Clubs und wenn's ab und zu sein muss in 90 Minuten mit dem ICE nach Berlin oder für 19 € am Wochenende nach Barcelona. Ein weiterer Grund kam gestern hinzu: der Verein "Rechtsstandort Hamburg" an dessen Entstehen und Gedeihen die Bucerius Law School Anteil hat, legt sich für den Standortfaktor "Recht" national und international ins Zeug.

Und die Bestandsaufnahme kann sich sehen lassen: Juristen an der Universität Hamburg, der Bundeswehruni, dem Forschungsleuchtturm Max-Planck-Institut und der Bucerius Law School, ein beeindruckender Besatz an Anwälten und Notaren, internationale Schiedsgerichtsbarkeit und Justiz, der Internationale Seegerichtshof, eine agile Handelskammer und zahlreiche internationale Juristenvereinigungen (auch die deutsch-kubanische!) haben ihren Sitz in der zweitgrößten Stadt des drittgrößten Industrielandes der Welt. Mit unseren internationalen Netzwerken und Aktivitäten, aber auch mit der gesellschaftlichen Rolle unserer Hochschule in der Stadt werden wir diesen Ansatz nach Kräften beförden. Zu einem starken Rechtsstandort tragen wir gerne bei.

Mittwoch, 19. Januar 2011

Zweitverwertung

In Akademia sind Zweitverwertungen mindestes unfein, im Kern sogar gegen die Regeln guter Wissenschaft (wobei mancher neue Gedanke nichts anderes ist als die Umformulierung oder Neuzusammensetzung eines alten Gedankens). Beim Publizieren gilt offenbar genau das Gegenteil: Nicht die Tatsache, dass etwas schon gesagt oder geschrieben ist, genügt - es muss auch auf allen Kanälen transportiert werden. So schließe ich mich dem Trend an: In der WELT vom 17. Januar 2011 findet sich ein Kommentar von mir. Und weil möglicherweise nicht alle die WELT lesen, gibt es hier die Gelegenheit, sich diese Lektüre über eine dringend notwendige Qualitätsoffensive an den Hochschulen und den Wert von Auswahlverfahren nicht entgehen zu lassen.

Damit dieser Beitrag aber auch eine wirklich neue Idee enthält, formuliere ich hiermit zum ersten Mal das "1. Wenzlersche Gesetz: Der Gehalt geschriebener Inhalte steht im umgekehrt proportionalen Verhältnis zur Anzahl der Verbreitungswege." Mit anderen Worten: es wird immer mehr geschrieben, dabei aber immer mehr Unnützes, Doppeltes, Belangloses, Überflüssiges, Triviales etc. produziert.

Folglich wird wahrscheinlich auch immer weniger gelesen. Damit setze ich mich aber im 2. Wenzlerschen Gesetz auseinander, das ich erst formuliere, wenn ich das erste auf allen Kanälen so oft und penetrant wiederholt habe, bis es in die Wissenschaftstheorie Eingang gefunden hat.

Widerspruch (wie immer in Akademia) ist natürlich erwünscht. Insgeheim hoffe ich aber, dass der Karl Popper-Schüler Thomas Kuhn Recht behält, nach dessen Theorie über die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen bald schon ein echter Fanclub meiner These alles daran setzen wird, sie zu verteidigen statt sie zu widerlegen - und damit die These wiederum selbst bestätigt, weil es ja nicht gehen wird, ohne auf allen Kanälen darüber zu schreiben...

Mittwoch, 12. Januar 2011

Warnung vor dem Jurastudium?

In den USA wird eine "Warnung" der American Bar Association (ABA) erneut heiß diskutiert: sie stammt aus dem November 2009 und fragt unter der Überschrift "The Value Proposition of Attending Law School" nach dem Verhältnis von Kosten und Nutzen eines Jurastudiums. Hintergrund ist der überproportionale Anstieg der Studiengebühren an Law Schools, von denen viele auf der Welle steigender Stundensätze und Beraterhonorare der Anwälte in den wirtschaftlich starken Jahren bis 2008 mit nach oben gesurft sind. An vielen amerikanischen Universitäten wurden Law Schools zu Cash Cows mit Studiengebühren von durchschnittlich 35.000 $ p.a. an den privaten und 17.000 $ an den öffentlichen Unis. Bei einer Kreditfinanzierung kommen einschließlich der Lebenshaltungskosten schnell 100.000 $ und mehr für ein Studium zusammen.

Für ein Viertel der Absolventen immer noch eine lohnende Investition: mit Einstiegsgehältern von 160.000 $ p.a. ist die Rückzahlung darstellbar. Für knapp die Hälfte, die mit weniger als 65.000 $ einsteigt, wird das allerdings schnell zum existenziellen Problem.

Nach welchen Kriterien sollte man sich für ein Jurastudium in Deutschland entscheiden? Angesichts einer vielfältigen öffentlichen Hochschullandschaft, die (fast) nichts kostet, sind Neigung und Eignung die wichtigsten Parameter. Gleiches gilt für ein Studium an der Bucerius Law School: Durch die Möglichkeit eines finanziell risikolosen Studiums, bei dem die Studiengebühren erst nach Ende des Studiums und auch dann abhängig von der Höhe des Einkommens zurückgezahlt werden können (Umgekehrter Generationenvertrag), sind auch hier finanzielle Kriterien nicht entscheidend.

Die Neigung ist eine Frage der persönlichen Einstellung. Die Eignung testet man am besten im Auswahlverfahren der Bucerius Law School: von rund 1000 online registrierten Bewerbern im Jahr 2010 sind viele schon vor dem schriftlichen Test wieder abgesprungen, weil sie gemerkt haben, dass Jura doch nicht "ihr Ding" ist. Jura ist für viele eine black box: Man erfährt in der Schule nichts darüber.

Die anderen, die dabei bleiben und sich bewerben, sind dich dafür auch ziemlich sicher, dass es Jura sein soll. Selbst wenn es dann an der Bucerius Law School nicht klappt und der "Plan B" Heidelberg, Freiburg oder Münster heißt, ist die Wahl des Studienfachs doch bewußt getroffen worden. Und das ist ein wichtiger Indikator für den späteren Studienerfolg.

Mittwoch, 5. Januar 2011

Der Vierte König

Foto: Kilian Wegner, Bucerius Law School
Am Tag vor dem traditionellen Dreikönigstreffen der FDP in Stuttgart war Wolfgang Kubicki zu Gast an der Bucerius Law School. Der schleswig-holsteinische Fraktionsvorsitzende der Liberalen zeigte - wie nicht anders zu erwarten - "klare Kante", wie man hier im Norden sagt. Klar ist: im politischen Geschäft kann man diese Form der Offenheit und Angriffslust nur durchhalten, wenn man im Ergebnis Erfolg hat, die klare Kante durchhält und ein sicheres Gespür dafür hat, ob man den Stimmungsnerv in der breiteren Bevölkerung trifft. All dies trifft auf Wolfgang Kubicki zu: die FDP ist dank ihm im Schleswig-Holsteinischen Landtag eine feste Größe, sie hat in der Regierung mit der CDU einen unpopulären, aber erfolgreichen Sparkurs aufgelegt, und Kubickis Beschreibung des Zustands seiner eigenen Partei ist zwar kein Meisterstück in Diplomatie, wird aber im Ergebnis von allen als "gefühlt zutreffend" wahrgenommen.

Bleibt die Frage: warum ist er als Mitglied des Bundesvorstands nicht beim Dreikönigstreffen in Stuttgart? Vielleicht hat der Vierte König ja noch ein Ass im Ärmel?