Mittwoch, 31. August 2011

Fine Arts

Wenn über Bucerius und Kunst gesprochen wird, verbindet sich dies üblicherweise mit dem Kunstforum, der "Schwester" der Bucerius Law School. Studenten, Mitarbeiter und Professoren genießen bekanntlich immer freien Eintritt, ein nicht unwesentliches "fringe benefit" des Bucerius-Daseins.

Dass die Künste auch an der Bucerius Law School gedeihen, zeigen z. B. Kunstkonfekt, die künstlerische Bezeichnung der beiden Alumnae Lia Catharina Henneberger und Ricarda Christine Schelzke. 


Besonders aufgefallen sind mir die Arbeiten von Svenja Pitz, Bucerius Alumna und Promotionsstudentin; sie hat ihre Fotografien auch bereits in der Coffee Lounge ausgestellt. Wer sich "people eleven" ansieht, wird neben den fast zu schönen Gesichtern den Hamburger Elbstrand erkennen. In den Arbeiten zu "fashion eleven" geben verschiedene locations der Bucerius Law School die Kulisse für eine Schönheit ab, die so glatt und makellos ist, dass es fast schon schmerzt. Eine außergewöhnliche Bildsprache einer außergewöhnlichen Doktorandin.

Mittwoch, 24. August 2011

Kaufmannsgeist statt Krämerseele



Zwei Meldungen, am selben Tag kürzlich im Hamburger Abendblatt: "Lehrlinge verzweifelt gesucht", weil 2000 Ausbildungsplätze nicht besetzt werden können, und "Marketingprojekt steht vor dem Aus" über die "Hamburg-WG", mit der die Hamburg Marketing GmbH junge Menschen für Hamburg gewinnen will. Ist es Zufall? Oder sinnbildlich für die Suche der Stadt nach ihrem Kurs, hinter dem die Frage steht, wovon wir hier in 20 Jahren leben wollen?

In einem Land, dem die Bewohner langsam ausgehen, auf einem Kontinent, der schrumpft und altert, muss eine Stadt, die sich behaupten will, eine Idee entwickeln, wie sie für sich gewinnt, was immer knapper wird: gut ausgebildete, junge, kreative Menschen, die mit ihren Ideen, ihrer Arbeitskraft und ihren zukünftigen Familien die Stadt bevölkern, Steuern zahlen und sie lebenswert erhalten. Das ist kein Untergangsszenario, sondern der nüchterne Blick auf einen schleichenden Prozess, auf den man reagieren muss, bevor man ihn spürt - eine große Herausforderung an die Politik, die oft nur an die nächste Wahl denkt, manchmal sogar nur an die Schlagzeile von morgen. Natürlich "entvölkert" sich Deutschland nicht gleichmäßig. Der Osten ist stärker betroffen als der Westen, der Norden stärker als der Süden. Eine weitere Erkenntnis: Der Stadt gehört die Zukunft. Städte werden im 21. Jahrhundert die Kristallisationskerne der menschlichen Zivilisation sein. 2008 lebten erstmals weltweit mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Der Trend hält an. Allerdings entwickeln sich die Städte nicht gleich: In der Geschichte war Braunschweig bedeutender als Berlin, Lübeck größer als Hamburg, München war bis zu den Olympischen Spielen 1972 ein etwas zu groß geratenes Nürnberg.

Was Städte tun müssen, um im 21. Jahrhundert erfolgreich zu sein, finden Forscher wie Alain Thierstein, Professor für Raumentwicklung an der TU München, oder Edward Glaeser, Professor mit deutschen Wurzeln an der Harvard University heraus. Wertschöpfung, so ihre These, hat mit Bildung zu tun. Neben bekannten Standortfaktoren wie Hafen, Flughafen, Infrastruktur und Gewerbeflächen müssen wir vor allem auf Hochschulen, Forschungseinrichtungen und sogenannte wissensbasierte Industrien und Dienstleitungen setzen - als Antrieb für wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung. Hamburg braucht als Anziehungspunkte Hochschulen, die so ausgestattet sind, dass sie bessere Bedingungen bieten als Göttingen, Lüneburg oder Münster - von München oder Freiburg ganz zu schweigen. Geld für gute Lehre in kleinen Gruppen, für Studenten-Cafés und Wohnheime ist gut investiert. Dass gerade privates Engagement hier mit Strahlkraft über Hamburg hinaus vieles bewirken kann, zeigen die Bucerius Law School, die HSBA und die Kühne Logistics University, weitsichtige Gründungen aus Kaufmannsgeist.

Hinzu kommt das Lebensgefühl einer "creative city", in der der eigene Lebensentwurf zwischen Schanze, Ottensen und Elbchaussee entstehen kann und sich das Arbeiten tagsüber im Büro in der City mit dem Chillen abends auf dem Kiez vereinbaren lassen. Hamburg braucht Subkultur und kreative Szenen. Das ist nicht der Ruf nach staatlichen Subventionen für subversive Kunst, sondern nach Freiräumen, Probebühnen, Atelierflächen und Klubs, nach toleranten Miet- und Eigentumsverhältnissen und für die Abwesenheit von Bürokratie, damit Hamburg nicht das Blankenese Berlins wird. Die HafenCity und die Stadtentwicklungsperspektive des "Sprungs über die Elbe" mit IBA und IGS 2013 bieten jede Menge Chancen für Ungeplantes und Kreativität.

Schließlich braucht es ein Stadtmarketing, das diese Botschaft bundesweit und international transportiert. Nichts gegen Werbung für Hafenrundfahrten und Pauschalpakete für Busreisen aus dem Ruhrgebiet, aber das reicht nicht. Hamburg muss "like" sein bei denen, die wir für uns gewinnen wollen: Menschen zwischen 18 und 25, die nicht nur einen Ausbildungs- oder Studienplatz suchen, sondern auch ein Lebensgefühl, eine Stadt mit "groove". Hamburg gehört in die Liga Barcelona, Mailand, Kopenhagen - nicht Hannover, Lübeck, Lüneburg, auch wenn die alle schön sind. Dazu muss man auch neue Formate im Stadtmarketing ausprobieren dürfen, so wie Kaufleute neue Märkte erschließen, in denen sie etwas wagen. Hamburg hat eine große Chance, zu den "big cities", zu gehören. Aber nur, wenn der Kaufmannsgeist Oberhand über die Krämerseele behält.

Mittwoch, 17. August 2011

Staatsknete

"Wir nehmen keine Staatsknete". Das war das Diktum von Helmut Schmidt bei der Gründung der Bucerius Law School. Der Altbundeskanzler hat als Mitglied des Kuratoriums der ZEIT-Stiftung damit die Losung ausgegeben, die seither unser Verständnis als "forschungsorientierte Stiftungshochschule" prägt.

War das richtig? Ist "Staatsknete" denn so verwerflich? Immerhin gibt es bei einigen privaten Hochschulen das Argument, der Staat komme mit der Bezuschussung privater Hochschulen immer noch günstiger weg als beim Betreiben eigener öffentlicher Universitäten.

Stimmt im Prinzip, aber nicht in der Wirklichkeit: Das Argument würde nur gelten, wenn der Staat die Privaten auch "bestellt" hätte, also z. B. den Betrieb bestimmter Hochschulen ausgeschrieben hätte. Das trifft aber bei keiner privaten Hochschule zu. Diese sind - etwa im Fall von Witten/Herdecke, der WHU, der Hertie School of Governance, der Zeppelin oder der Jacobs University - Gründungen aus privater Initiative. Der Staat hat die Hochschulen anerkannt, weil sie qualitativ den staatlichen mindestens ebenbürtig sind. Er wurde aber vorher nicht gefragt, ob er sich ihre Existenz denn wünscht, geschweige denn, ob er sie (mit-)finanzieren will.

Also keine "Staatsknete" für private Hochschulen? So einfach ist es auch nicht. Unterscheiden wir der Einfachkeitn halber in "gute", "halbgute" und "schlechte" Staatsknete für private Hochschulen: "Gute" Staatsknete ist die, die wettbewerblich eingeworben wurde: Drittmittel der DFG, des BMBF und anderer staatlicher oder staatlich finanzierter Forschungsförderung muss allen zugänglich sein, die am wissenschaftlichen Ideenwettbewerb teilnehmen. Forschungsprojekte der Bucerius Law School, etwa zur Piraterie (Lehrstuhl König) oder zur Kolonialismusgeschichte (Lehrstuhl Kämmerer) haben sich im wettbewerblichen Antragsverfahren gegen Konkurrenzprojekte durchgesetzt. Das ist für eine private Hochschule immer noch schwerer als für die etablierten Antragsprofis der staatlichen Fakultäten, zeigt aber in die richtige Richtung, die wir aus den USA kennen: Harvard et. al. sind privat, bekommen aber jede Menge "Staatsknete" aus öffentlicher Forschungsförderung, weil es um die beste Idee geht, nicht um die Trägerschaft der Hochschule.


"Halbgute" Staatsknete sind öffentliche Mittel, die aus Infrastrukturgründen an private Hochschulen vergeben werden. Wenn eine Stadt einer privaten Hochschule ein Grundstück zum Nulltarif überlässt, weil sie sich von der Ansiedlung einer Hochschule einen Imagegewinn, Zuwanderung talentierter Zielgruppen und zusätzliche Kauf- und Wirtschaftskraft verspricht, dann ist das nachvollziehbar. Man macht aus einer Werftenbrache, einer ausgestorbenen Zechensiedlung oder einem überalterten Kurort noch nicht gleich ein pulsierendes Zentrum der "creative class", aber eine Hochschule kann ein kluger Beitrag zur Standortentwicklung sein. "Halbgut" ist diese Form von Staatsknete, weil sie zu Erwartungen des Geldgebers an die Hochschule führen kann, die mit deren - von Wissenschaft und Lehre getriebenen - Interessen nicht notwendigerweise einhergegen müssen. Für die private Hochschule bedeutet es immer ein Stück Preisgabe der eigenen Entscheidungsfreiheit.

"Schlechte" Staatsknete ist auf jeden Fall die, die für den laufenden Betrieb einer Hochschule aufgewendet werden muss -  insbesondere dann, wenn die private Hochschule im Laufe ihres Daseins "klamm" wird und nach öffentlichem Geld als rettendem Strohhalm greifen muss. Die Uni Witten/Herdecke ist - mangels eines eigenen Stiftungskapitals - immer wieder in diese Verlegenheit geraten. Diese Form öffentlicher Abhängigkeit macht angreifbar, ja sogar erpressbar. Damit verdreht sich die Wahrnehmung privater Hochschulen ins Gegenteil: werden sie landläufig verdächtigt, von ihren privaten Geldgebern abhängig, vielleicht sogar erpressbar zu sein, werden sie es in diesem Fall von Vater Staat... Zudem ziehen sie die berechtigte Frage der Steuerzahler auf sich, warum für sie öffentliches Geld aufgewendet wird - insbesondere in Ländern, in denen an öffentlichen Hochschulen gespart werden muss.

Am Ende wird man feststellen müssen, dass "privat" in einigen Fällen weniger an der Rechtsform der Trägerin als an der Herkunft der Finanzierung festgemacht werden muss: "gute" Staatsknete ist dann unschädlich, "halbgute" in Maßen vertretbar und "schlechte" führt zum faktischen Verlust der Privatheit und zur (schleichenden) Verstaatlichung.

Zu kompliziert? Deshalb schreiben wir bei Bucerius den einfach zu verstehenden Zusatz "Deutschlands erste und einzige private Rechtshochschule". Helmut Schmidt sei Dank!

Mittwoch, 10. August 2011

Zurück in Hertaland

Nach Rückkehr aus südlicheren und wärmeren Gefilden zeigt sich Hamburg von seiner allerscheußlichsten Seite: 13 Grad und Nieselregen, in den Beachclubs Menschen mit Regenjacken, die unter den Sonnenschirmen dem Regen trotzen und Besucherrekorde in den Kinos und Museen. Dabei ist Hamburg bei Sonne die schönste Stadt der Welt! Was tun? Natürlich bietet sich das Bucerius Kunstforum mit der derzeitigen Ausstellung "William Turner - Maler der Elemente" besonders an. Turner hat außer Wasser auch Licht (!) und Sonne (!) gemalt.

Ein weiterer Tipp findet sich auf der Seite hertaland.de, der führenden Seite für Ausflugstipps in Deutschland, wenn man den Bekundungen des dahinter stehenden Wurstfabrikanten Glauben schenken mag. Unter immerhin 49.123 bewerteten Beiträge von 19.711 Ausflugsreportern findet sich neben dem Leipziger Zoo und dem Kölner Dom auch der Campus der Bucerius Law School! Userin "powermami" schreibt: "Hier stimmen nicht nur die tollen Gebäude, sondern auch der Campus. Selbst der daneben liegende Park Planten un Blomen verschafft mir nicht so ein angenehmes Gefühl wie dieser schöne Campus. Hier kann man auf einem weitflächigen Gelände klasse sitzen und die Seele baumeln lassen!"


Ob powermami weiß, dass hier rund 550 LL.B.- und 50 Master-Studenten sowie rund 200 Doktoranden fleißig sind? Und neben unseren 20 Professorinnen und Professoren rund 80 wissenschaftliche Mitarbeiter und weitere 45 im Management aktiv sind? Vielleicht hatte sie eher unsere 30 Kita-Kinder im Blick, denn sie hat ja nicht Unrecht - wenn man Pause machen will, dann ist das sicher ein schöner Ort, auch wenn man dafür nicht Schinken- und Bratwurstexpertise benötigt...