Mittwoch, 21. Dezember 2011

Ad Wenz Grüße

Mit dem Motiv der Bucerius Law School - Weihnachtskarte wünsche ich allen ein frohes Weihnachtsfest, geruhsame Feiertage und einen guten Start ins Neue Jahr. Ich will das mit einem - der Lebendigkeit und Vielfalt einer Hochschule geschuldeten - längeren Jahresrückblick verbinden.

Was hat uns am meisten überrascht? Wohl, dass wir das 10-jährige Jubiläum im vergangenen Jahr nicht zur Zufriedenheit genutzt haben, um uns gemütlich zurückzulehnen und auf den Erfolgen auszuruhen. Im Gegenteil: Die Entwicklung der Hochschule ging auch 2011 mit großen Schritten voran. Sichtbarster Ausdruck hiervon war die Auszeichnung „herausragend“ beim CHE-Hochschulranking, bei dem wir erneut den ersten Platz unter den juristischen Fakultäten in Deutschland belegt haben.

Wir haben „Jura Plus“ nicht nur als neues Motto ausgegeben, sondern auch mit Inhalt gefüllt. Unser Ziel, das beste Jurastudium anzubieten, ist an vielen Neuerungen sichtbar geworden. Mit dem Ausbau des Dachgeschosses durch die ZEIT-Stiftung und 22 dadurch neuen Räumen haben wir unseren Anspruch verdeutlicht, optimale Bedingungen für das Lernen in kleinen Gruppen zu bieten. Mit der Einführung des „Propädeutikum II“ durch das ZJL haben wir die Belastung im ersten Trimester aufgefangen. 

Die Sichtbarkeit der Bucerius Law School insbesondere in der Forschung hat noch einmal deutlich zugenommen. Für unsere akademische Reputation ist dies auch weiterhin ein wichtiger Wert, dessen Anstieg wir den Professorinnen und Professoren sowie den wissenschaftlichen Mitarbeitern verdanken (die „nebenbei“ ausgezeichnete Kleingruppenleiter sind). Mit 36 abgeschlossenen Promotionen haben wir in 2011 zum akademischen Wettstreit der Ideen beigetragen und mit der Verlagsgründung von „Bucerius Law School Press“ den Grundstein für einen weiteren starken Markenbaustein in der Wissenschaft gelegt. Und: die Fakultät ist erneut gewachsen. Mit Dr. Dana Beldiman, Rechtsanwältin in San Francisco und Professorin am UC Hastings College of the Law, Kalifornien, haben wir eine Honorarprofessorin gewonnen, die seit vielen Jahren sowohl im International Program als auch im Master Program unterrichtet und unsere IP&Media Law Initiative vorantreibt.

Mit einem erneut erfolgreichen Summer Program, 110 International Students und der Teilnahme auf internationalen Konferenzen haben wir auch in der Internationalität zugelegt. Hinzu kommt ein außerordentlich erfolgreiches Jahr der American Friends of Bucerius, das mit dem Wechsel von Frau Dr. Smidt zur ZEIT-Stiftung verbunden ist. Sie hat in New York nun „zwei Hüte“ auf und residiert nach einem Umzug ins Rockefeller Center in Bürogemeinschaft mit einer weiteren Stiftung.

Das neu gestaltete „Studium professionale“ wurde bereits gut angenommen und erhält mit dem Umzug des Career Office in den ersten Stock ab dem kommenden Jahr als „Career Center“ eine physische Heimat. Passend dazu hat sich die terminlich verlegte Absolventenmesse als erfolgreicher Schritt der Weiterentwicklung herausgestellt.

Das „Zentrum für Studium generale und Persönlichkeitsentwicklung (ZSP)“ hat mittlerweile die Arbeit aufgenommen, konstituiert seinen Beirat und erstellt das erste Mentoringprogramm.

Im Master of Law and Business / Joachim Herz Program fand die bislang größte Weiterentwicklung statt. Das Curriculum wurde neu geordnet und – ausgerichtet an „learning goals“ – dem Lebenszyklus eines Unternehmens angepasst. Die just neu erschienene Broschüre im überarbeiteten Layout stellt dies sehr überzeugend dar. Die Einführung einer „Career Week“ hat neben den akademischen Neuerungen auch in Sachen Berufsorientierung einen weiteren Schub gebracht.

Auch die Bucerius Education GmbH hat ein sehr gutes Jahr hinter sich, das mit dem Wechsel in der Geschäftsführung einherging: Mit Birte Gall hat die Law-School-Tochter ihren Erfolgskurs fortgesetzt. Der Bereich Event & Conference Management hat erneut zugelegt. Der Erfolg des Center on the Legal Profession unter der Leitung von Markus Hartung wurde bei der ersten großen Jahrestagung erkennbar.  

Neben den Hamburger Tagen des Stiftungs- und Non-Profit-Rechts, die sich immer größerer Teilnehmerzahlen erfreuen und ein Flaggschiff der Konferenzen an unserer Hochschule geworden sind, fand in diesem Jahr der Internationale Umweltrechtstag, erneut das Hamburger Forum zum Unternehmens- und Kapitalmarktrecht, eine interdisziplinäre Assistententagung im öffentlichen Recht, das 5. Transatlantic Law Forum, ein deutsch-japanisches Juristensymposium und unsere internationale Vortragsreihe in IP & Media Law statt. 

Weitere zahlreiche Gäste waren an unserer Hochschule: Neben Tom Daschle, dem früheren Mehrheitsführer im US-Senat, der die „Transatlantic Key Note Lecture“ hielt, sprachen unser ehemaliger Erster Bürgermeister Ole von Beust, der englische Oberhausagbeordnete Lord Clement Jones, der Werbeprofi Holger Jung, das neue Kuratoriumsmitglied der ZEIT-Stiftung Peer Steinbrück, der Medienmamanger Rolf Schmidt-Holtz, der jetzige Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank Jörg Asmussen, der Grünen-Abgeordnete Jerzy Montag, der Liberale Wolfgang Kubicki, der Logistikunternehmer Johann Killinger, der General Counsel der Lufthansa Nicolai von Ruckteschell, der CDU Generalsekretär Hermann Gröhe und der Präsident der Uni Mannheim Hans-Wolfgang Arndt.


Unsere Finanzen sind stabil! Die ZEIT-Stiftung hat ihr Commitment aufrecht erhalten, die Einnahmen aus Studiengebühren entwickeln sich planmäßig und die Zahl der Förderer nimmt zu. Wir haben auch 2011 neue Förderer gewonnen und damit die Zuwendungen von Dritten insgesamt wieder einmal steigern können. So sind Siemens mit der Förderung des ZSP, DLA Piper mit der Förderung der IP&Media Law Initiative und die Boston Consulting Group allesamt gleich in der Kategorie „Partner“ eingestiegen. Als Förderer hinzu gekommen sind BAT und Renzenbrink, Raschke, von Knobelsdorff Heiser, Deutschlandstipendien haben die Sparda Bank und Sal. Oppenheim vergeben. 

Sie alle waren zum Stiftertag eingeladen, der – auf Gerd Bucerius’ Spuren – mit Vorträgen von Giovanni di Lorenzo und Dr. Rainer Esser in der Redaktion der ZEIT stattfand. Um die Kunde unserer Hochschule weiter zu verbreiten, haben wir die Round Table Discussions fortgesetzt. Unter dem Motto „Bucerius on Tour“ waren wir dieses Jahr in Berlin und Brüssel, während Frankfurt, Düsseldorf, München und Stuttgart 2012 wieder folgen.

Die Aktivitäten des Alumni-Vereins unter der Präsidentschaft von Roman Strecker werden immer vielfältiger und leisten einen großen Beitrag zum Erfolg unserer Hochschule. Neben den vielen von den Alumni organisierten Veranstaltungen ist in diesem Jahr inbesondere das Thesenpapier "Der neue Bucerianer" zu nennen, das sich mit den Entwicklungsmöglichkeiten eines juristischen Curriculums unter den Bedingungen des Staatsexamens auseinandersetzt. Ein Highlight war das Alumni-Dinner am 5. November im Literaturhaus, in diesem Jahr mit dem Rhetoriktalent Gregor Gysi als Gastredner.

Zahlreiche studentische Initiativen fanden statt: der Ball im Hotel Atlantic, die Erfolge beim VIS Moot Court, die knappe Finalniederlage der Fußballer im Hamburger Pokal, die Champions Trophy, der Gewinn der 3. Ruder Challenge, die neue Fahrradwerkstatt und der erste Preis für die Bucerius Big Band beim Landeswettbewerb „Jugend jazzt“.

Natürlich wurde auch gefeiert: neben der großen akademischen Feier, bei der wir Paul Kirchhof als Festredner zu Gast hatten, waren es der auf Anhieb erfolgreiche Elterntag, der bereits erwähnte Stiftertag, die Absolventenfeier auf dem Campus, die bei Abendsonne schon zur Tradition wurde, der Betriebsausflug auf Fahrrädern zum Kloster Lüne und die legendäre Weihnachtsfeier, dieses Jahr im Goßlerhaus.

Auch Trauriges galt es zu verkraften. Der Tod der Ehrenbürgerin Loki Schmidt hat uns ebenso berührt wie viele Hamburger. Die Schirmherrin unserer Bucerius Kita wird uns auch in dieser Funktion in Erinnerung bleiben.

Was bleibt zu tun? Sicher ist, dass wir auch im kommenden Jahr Bestehendes reformieren und Neues anpacken werden. Die Reform der Juristenausbildung bleibt auf der Tagesordnung, auch wenn die Strukturfrage vorerst entschieden ist. Doch auch unter den Bedingungen des Staatsexamens gilt es, Ausbildungsziele und –inhalte zu hinterfragen und den Kanon dessen, was geprüft (und deshalb auch gelernt) wird, weiterzuentwickeln.

Das Thema Familienunternehmen bleibt im Fokus. Mit der Initiative der Hamburger Notare, ein Zentrum für das Recht der Familienunternehmen zu etablieren, liegen wir goldrichtig, wie das Symposium zu diesem Thema gezeigt hat. Nun muss nur noch der richtige Stifter für den Lehrstuhl gefunden werden.

Die Internationalisierung wird uns weiter beschäftigen, schon deshalb, weil die Globalisierung der Märkte und der Rechtsordnungen nicht anhalten wird. Es gilt, unsere Relevanz im deutschen und internationalen Markt auszubauen, unsere Sichtbarkeit in der Forschung zu stärken und immer wieder die Attraktivität für die besten Bewerber zu erhöhen. Zum Glück gehen uns die Ideen nicht aus. Auch deshalb wollen wir unser erfolgreiches Fundraising fortsetzen, damit wir möglichst viele davon umsetzen können.

Eines steht fest: wir werden auch im Neuen Jahr die Neugier, die Kreativität und die Lust, immer wieder Neues auszuprobieren beibehalten - ebenso wie und den kollegialen Umgang miteinander und mit unseren Freunden und Förderern und den Lesern dieses Blogs.

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Auf den Hund gekommen

Der Uni-Spiegel berichtet, dass amerikanische Law Schools ein besonderes Mittel gegen den Stress ihrer Studenten gefunden haben: Hunde. In Yale kann man sich in der Bibliothek "Monty" ausleihen, einen Therapiehund. An der George Mason University in Fairfax gibt es den "Puppy Day", an dem das örtliche Tierhiem kuschlige Welpen anliefert, die den Studenten durchs Kraulenlassen den Stress nehmen sollen. Offenbar ist der physische Kontakt zu einem echten Lebewesen in der realen Welt für manchen eine Seltenheit, und viele Studenten such den "like"-Button am Hund.

Mein Tipp: suchen Sie sich einen Kommilitonen oder eine Kommilitonin und probieren das mal mit ihm oder ihr aus. Hilft genauso und man spart sich den Hund.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

US Foreign Policy in a Multipolar Setting

Hariolf Wenzler, Esther Brimmer, Michael Werz
...war die Überschrift des Vortrags von Dr. Esther Brimmer, Assistant Secretary of State for International Organizations im US-amerikanischen Außenministerium beim Annual Dinner der American Friends of Bucerius heute abend in Washington, DC. In mehrfacher Hinsicht ein bemerkenswerter Abend: 1. die USA haben die UN noch nicht aufgegeben, im Gegenteil: es gibt in der Administration Multilateralisten, die an eine positive Führungsrolle der USA mit den Institutionen der Vereinten Nationen glauben und daran arbeiten; 2. Esther Brimmer ist eine sehr beeindruckende Frau mit einer ungewöhnlichen Vita; 3. Bucerius ist im Zentrum der Macht angekommen: das Annual Dinner fand auf dem Capitol Hill in den Räumen des amerikanischen Kongresses statt, auf Einladung einer Gruppe von Kongressabgeordneten, zu denen ein enger Draht besteht. Wieder einmal wurde deutlich, dass wir viel mehr als eine Law School sind: jenseits der Grenzen juristischer Fragestellungen, dafür mit Alumni des International Program und der Bucerius Summer School on Global Governance, die die ZEIT-Stiftung verantwortet, wurden Fragen der internationalen Politik diskutiert, für die sich rund 50 hochkarätige Transatlantiker in der "Hauptstadt der Welt" unter dem Label Bucerius versammelt hatten.

Für Eingeweihte: Esther Brimmer kennt Bucerius gut: im Jahr 2005 hat sie im Rahmen der "Transatlantic Lecture Series" einen Vortrag in Hamburg gehalten, der damals schon für Gesprächsstoff sorgte.