Mittwoch, 11. Januar 2012

What law students are not taught...

...is lawyering. Das jedenfalls behauptet David Segal in seinem Artikel für die NY Times am 19. November 2011. Das Bemerkenswerte: der Artikel begann auf Seite 1, am Ende einer mehrteiligen Reihe über die Juristenausbildung in den USA und schüttelte die Law School Gemeinde tüchtig durcheinander.

So war David Segals Philippika in aller Munde bei der Jahrestagung der Association of American Law Schools von 3. bis 8. Januar in Washington, DC. In den Keynotes von Richard Matasar, Dean der New York Law School und Judy Areen, Dean Emeritus des Georgetown Law Center, war deshalb auch Selbstkritik angesagt: "2011 was a bad year for legal education" war der Grundtenor. Kein Wunder, sollte man meinen: Law Schools in den USA haben in den vergangenen Jahren zuviele (lukrative, zahlende) JD Studenten aufgenommen, die heute nicht mehr automatisch gutbezahlte Jobs in den Wall-Street-Kanzleien finden, um ihre 180.000 $ Schulden abzubezahlen. Die ersten Absolventen haben bereits ihre Unis verklagt, weil Ihnen zu Studienbeginn andere Erwartungen vermittelt worden seien (Juristen...). Hinzu kommt, dass Law School Graduates immer häufiger als unbrauchbar für den sofortigen praktischen Einsatz in Kanzleien angesehen werden, sodass die ersten beiden Associates-Jahre als Ausbildungszeiten angesehen werden - für die die Mandanten immer weniger bereits sind, 400+ US $ pro Stunde zu bezahlen. "We do not want to see any first year associate on the bill" ist mittlerweile immer häufiger zu hören in Verhandlungen zwischen Mandanten und Kanzleien.

Die Kritik macht auch vor den Professoren nicht halt: ein auf Forschungsexzellenz fokussiertes Berufungswesen belohne Veröffentlichungen in Law Reviews (und seien sie noch so abwegig), aber nicht Exzellenz im Hörsaal. Das Pflegen eigener Steckenpferde stehe einer an den wirklichen Bedürfnissen juristischer Praxis oft diametral entgegen.

Wie aber sieht die Remedur aus? Natürlich gilt die amerikanische Ausbildung mit "socratic method" in aller amerikanischen Bescheidenheit immer noch als "Goldstandard der Juristenausbildung". Aber mehr "clinical programs", also die Berührung mit der Wirklichkeit und die Einführung von "cap stone courses" gelten als wegweisend. Ashish Nanda von der Harvard Law School, der beim Aufbau des Bucerius Center on the Legal Profession geholfen hat und in dessen Leadership Program unterrichtet, hat zudem darauf hingewiesen, dass die Auswahl der Law School Studenten ausschließlich anch den Ergebnissen des Law School Admission Test (LSAT) erfolgt, während Business Schools und erste Law Schools wie Bucerius Interviews durchführten, um sich vom individuellen Profil eines Bewerbers ein Bild machen zu können. Im Ergebnis bleibt festzuhalten, dass sich noch keine Richtung abzeichnet - der Druck zu Veränderungen aber wird drängender, wenn nicht die Konjunktur rasch wieder anzieht und mit einer besseren Auftragslage dafür sorgt, dass die Strukturdiskussion doch wieder hintangestellt wird.

Vergleiche mit Deutschland? Sind natürlich völlig abwegig und unzulässig. Oder sollte es doch das eine oder andere Argument geben, das auch hier Anstoß für eine Reformdiskussion sein könnte? Der Gesprächsstoff wird uns jedenfalls in 2012 nicht ausgehen. Damit ein gutes Neues Jahr allen WenzDay Lesern.

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