Mittwoch, 21. März 2012

Bucerius als Vorbild für US Law Schools?

Zur Zeit scheint Deutschland als Vorbild in den USA "en vogue" zu sein; jedenfalls behauptet das der SPIEGEL in seiner englischsprachigen Ausgabe mit Berufung auf Steven Rattner. Er ist der frühere Berater von US Präsident Bill Clinton und war später Beauftragter von US Präsident Obama für die amerikanische Automobilindustrie, um sie durch die Krise zu manövrieren. Heute ist Rattner Manager des Vermögens von New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg und ein gefragter Wirtschaftsexperte in Washington, der der amerikanischen Industrie das "German Model" empfiehlt.

Ähnlich geht es unserem Modell der Finanzierung von Studiengebühren: G. Marcus Cole, Wm. Benjamin Scott & Luna M. Scott Professor of Law an unserer Partneruni in Stanford, war als Experte vor den Justizausschuss des US Senats geladen, der eine Anhörung zu Studiengebühren in den USA durchführte. Hintergrund ist die zunehmende Zahl von Kreditausfällen von Studiendarlehen, weil sich viele Studenten in den USA hoch verschuldet haben, aufgrund der derzeitigen wirtschaftlichen Lage aber keinen Job erhalten, der ihnen eine planmäßige Rückzahlung ermöglicht. Die Faustregel für "student loans" in den USA lautet: wer nach der Law School Schulden in Höhe von 150.000 US $ hat, braucht einen Job mit einem Einstiegsgehalt von 150.000 US $ p.a., um realistischerweise innerhalb von zehn Jahren die Schulden loszuwerden. Das ist mittlerweile kein Selbstgänger mehr, weil immer mehr Mandanten keine "first und second year associates" auf der Rechnung sehen wollen - und damit das Geschäftsmodell vieler Kanzleien ins Wanken gerät. 

Marcus Cole, dessen Forschunbgsgebiete bankruptcy, venture capital und banking regulation sind und der regelmäßig im "Master of Law and Business - Joachim Herz Program" von Bucerius und WHU unterrichtet, erwähnte in seinem statement als Alternative den "Umgekehrten Generationenvertrag" der Bucerius Law School. Mit dem Verzicht auf ein fixes Darlehen und stattdessen einer einkommensabhängigen Rückzahlung sei es möglich, risikolos selbst an einer exzellenten ("very top of the German legal academy"), aber vergleichsweise teuren privaten Hochschule zu studieren.

Sein Statement als pdf findet sich hier (siehe Seite 6), der Webcast seines Statements hier (siehe ab Min. 73:30). Wir sind gespannt, wie sich die Diskussion in den USA entwickeln wird und freuen uns, mit unserer kleinen Hochschule nicht nur Impulse in die deutsche Bildungslandschaft zu setzen, sondern imm er stärker auch jenseits des Teiches wahrgenommen zu werden.

1 Kommentar:

  1. Ich glaube jede Idee muss erst noch einmal re-importiert werden, nicht bevor sie fruchtet, aber bevor sie Gehör findet.

    Die Idee mit der einkommensabhängigen Rückzahlung von Studiendarlehen ist eigentlich schon fast 70 Jahre alt und stammt aus besagtem Amerika, von Milton Friedmann. Vor knapp 15 Jahren kamm die Idee dann nach Deutschland, diesmal nach Witten/Herdecke.

    Interessanter Weise ist diese Art der Finanzierung, aber noch viel viel älter - funktionierte aber ohne "Vertrag".

    In amerikanischen Elite-Internaten wie Exeter oder Andover (die eigentlichen Kaderschmieden um jemals nach Yale/Harvard/etc zukommen, wenn man ehrlich ist!) war oder besser ist es quasi üblich (wenn nicht gesellschaftlich verpflichtend) als Alumni, Teile seines Vermögens (welches sie durch Ihre tolle Ausbildung angehäuft haben) zu stiften. Aus diesem Fond werden dann wiederum die Stipendien (bei manchen fast für 50% der Schüler) bezahlt.
    Das ganze ist dann ein ungeschriebener Generationenvertrag, der so in stattlichen Größenordnungen von 1-3 Mrd Dollar in Stitftungskaptial endet ...

    Was jetzt in den Diskussion auftaucht, ist eigentlich - wenn man böse formuliert - nur das marktwirtschaftliche Festgießen einer langen Tradition auf vertraglicher und versicherungsmathematischer Grundlage der Fünfziger Jahre. Und im Falle der amerikanischen Rechtsberatung die Erkenntnis, dass die Studensätze nicht mehr an der Produktivität der Arbeit determiniert wurden, sondern anhand der Ausbildungsgebühren der Schaffenden. Das ging doch einigen Leuten auf den Kecks - was wiederum ist nur eine Beispiel von "Freakonomics" :-) darstellt. Sprich, die irrationale Abhängigkeit von Ergebnissen aufgrund ungesehner Faktoren.

    Nur soviel zu den "Hintergründen" über die Innovationen der "deutschen Bildungslandschaft" ...

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