Mittwoch, 17. Oktober 2012

Hosen hoch?

Nach einer - zugegebenermaßen sehr langen - Sommerpause ist WenzDay zurück; immerhin passend zum Beginn des Wintertrimesters (oder -semesters) in Hochschuldeutschland. Versprochen: Themen rund um die Juristenausbildung, über gute und schlechte akademische Vorbilder, den Wert von Innovationen an Hochschulen per se, über Internationalisierung und anderes mehr sind schon in der Pipeline. Heute ein nicht wirklich ernst zu nehmender, dennoch wahrer Bericht aus dem Land der offenbar doch nicht unbegrenzten Möglichkeiten, gefunden im ABA Journal:

Über Mode lässt sich, wie über Geschmack ganz allgemein, bekanntlich nicht streiten. Offenbar hat das aber Grenzen: Das Tragen von Hosen, deren Bund (weit) unterhalb der Hüfte sitzt, ist Gegenstand rechtlicher Auseinandersetzungen in den USA. Was dort "saggy" (und seltsamerweise hier "baggy") heißt, ist zweifellos ein Modetrend, der schon so manches Hinterteil zum Vorschein und so manches Elternteil zur Verzweiflung gebracht hat. Nun denn.

Wenn aber das Tragen der Hosen die Unterwäsche oder sogar noch Darunterliegendes präsentiert, kann das zumindest in Alabama, Florida, Indiana und Tennessee ein öffentliches Ärgernis darstellen und anderer Menschen Gefühle verletzen. In Albany, Georgia, einem Ort mit 77.000 Einwohnern wurden 2011 Strafen in Höhe von rund $4.000 für Personen verhängt, "who chose to expose".

Die Northwestern High School in Rock Hill, South Carolina verleiht vorsichtshalber Gürtel, bei Nichtbeachtung gibt's einen Termin beim Principal. An der Westside Middle School in Memphis, Tennessee  werden den Studenten schlicht die Hosen hochgezogen, ein Akt, für den es bereits einen eigenen terminus technicus gibt: "to be urkeled" in Anlehnung an Steve Urkel, einen Nerd-Prototyp aus der
90er-Jahre Sitcom Family Matters.

Auch vor Gericht ist die Baggy keine Bagatelle: Im Circuit Court in Autauga County, Alabama wurde ein junger Mann drei Tage ins Gefängnis geschickt, weil er durch das Tragen seiner Hose dem Gericht nicht hinreichend Respekt gezollt hatte. Und ein Richter am Manhattan Supreme Court hat genervt ein Schild an seiner Richterbank anbringen lassen: "Pull up Pants".

Wir haben in den 60ern den Minirock überstanden, in den 70ern die Schlaghosen, in den 80ern die Moon-washed-Jeans und seit den 90ern das Tätowieren sowie das Durchbohren aller möglichen Körperteile mit Metall. Wir werden auch den Blick auf flächendeckend (teil-)entblößte Hinterteile überstehen, den wir seit Generationen nur als "Handwerker-Dekolleté" kannten. Wer weiß schon, was als Nächstes kommt? Im Zweifel gilt auch dann: de gustibus non est disputandum.

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