Mittwoch, 9. Januar 2013

Quo Vadis, US legal education?

Die Jahrestagung des Association of American Law Schools fand dieses Jahr in New Orleans statt - the Big Easy. Leicht war allerdings bestenfalls das Abendprogramm in Jazzclubs und im French Quarter, auf der Konferenz selbst ging es um schwere und schwierige Themen. Die Juristenausbildung in den USA steht vor großen Herausforderungen: zu viele Law School Absolventen, für die es zu wenig (gut bezahlte) Jobs gibt. Hoch verschuldete Studienabgänger, eine Ausbildung vorbei am Kanzleibedarf, zuviele und zu gut bezahlte Professoren: die Krise ist im Anmarsch. Schon verzeichnen viele Law Schools sinkende Bewerberzahlen und versuchen, die Rückgänge der JD students durch mehr LL.M.s zu kompensieren - was wiederum auf Kosten der Qualität geht. Einer, der darüber seit langem (auch empirisch) forscht und veröffentlich ist Bill Henderson, Professor an der Indiana University Maurer School of Law in Bloomington und #2 im Ranking der "Most Influential Person in Legal Education" des National Jurist Magazine. In seinem Blog "The Legal Whiteboard" schreibt er regelmäßig über Entwicklungen der Juristenausbildung in den USA.

Mit ihm habe ich in einem langen Gespräch die Situation in den USA erörtert und berichtet, wie wir - zum Beispiel mit dem Bucerius Center on the Legal Profession oder dem Bucerius / WHU Master of Law and Business - auf Herausforderungen der Praxis reagieren. Nicht nur seine Kritik ist grundsätzlich, auch sein Blick auf die Law Schools zeigt, dass strukturelle Herausforderungen notwendige Veränderungen verhindern. Die letzte große Innovation der US legal education war Christopher Columbus Langdell, der 1870 die "socratic method" an der Harvard Law School einführte. Alles was heute eigentlich unterrichtet werden müsste, weil die heutige Berufswelt es erfordert, gibt es an Law Schools nicht: Verhandeln, Präsentieren, Argumentieren, Teamwork, Projektmanagement, Management, Strategie, aktives Zuhören, Gestalten einer Kundenbeziehung etc. Stattdessen ist das Ausbildungsziel noch immer, "learning to think like a lawyer". Angesichts der Herkunft der Professoren, ihrem akademischen Selbstverständnis und der Historie niocht verwunderlich. Aber auf Dauer wahrscheinlich nicht genug schreibt Henderson in seinem Leitartikel für das ABA Journal im Junli 2012. Eine Gelegenheit für Law Schools außerhalb der USA, einen "competitive advantage" zu entwickeln und sich im internationalen Wettbewerb zu behaupten. Voraussetzung: internationaler Fokus, englsichsprachiges Angebot. We stay on track...