Mittwoch, 29. Mai 2013

Haltung

Der beste, intelligenteste und sympathischste Kommentar zu unserer Plastik auf dem Campus kommt von unserem Kommilitonen Alexander Ulmer, mit dessen Einverständnis ich dies hier veröffentliche. Er ist nicht nur ein Meister in Photoshop (und allerhand anderer technischer Fertigkeiten), er hat auch Stil und Humor, wie sein Werk zeigt...
(c) Alexander Ulmer

Mittwoch, 22. Mai 2013

MUT



Der Künstler Rupprecht Matthies
Als Geschäftsführer einer Jurahochschule bin ich hin- und hergerissen zwischen Fluch und Segen des Staatsexamens (oder der „Ersten Prüfung“, wie’s korrekt heißen muss). Für eine private Hochschule, die sich ihre Studenten selbst auswählt und im Ausbildungskonzept eigene und neue Wege beschreiten kann, ist das Examen einerseits ein Glücksfall: gute Noten werden in einem objektiven Verfahren einer Landesprüfung vergeben, der Prüfling bleibt anonym und verdankt seine Noten seiner Leistung und nicht der Nähe zu einem Professor, dem dessen Nase passt (oder nicht passt). Die jüngste Statistik des Hamburger Justizprüfungsamtes bietet demnach auch viel Grund zur Freude: 2012 haben 80 % der „Bucis“ ein Prädikat erzielt (9 Punkte und besser); der Examensdurchschnitt lag bei 10,12 Punkten. Zweimal gab es sogar die seltene Note „sehr gut“, in beiden Fällen übrigens für Bucerianerinnen.

Also alles gut mit dem Staatsexamen? Zweifellos sind es fordernde Prüfungen, die streng zensiert werden (umso schwerer wiegt das gute Abschneiden), aber was wird eigentlich geprüft? In sechs Klausuren müssen komplexe Sachverhalte gelöst werden. Verschachtelte Fälle, echte Nüsse, die es zu knacken gilt. Aber wird damit eigentlich geprüft, was Juristen später können müssen – und im Studium vielleicht hätten lernen sollen? Kreativität, Kommunikationsfähigkeit, wirtschaftlicher Sachverstand, Gestaltungskompetenz, interkulturelles Verständnis, Ambiguitätstoleranz – in allen juristischen Berufen werden diese Fähigkeiten immer wichtiger, im Curriculum sind sie nicht vorgesehen. Warum eigentlich? Dass Bucerius mit "Jura Plus" also Jura plus Fremdsprachenprogramm mit Auslandsaufenthalt, dem WHU-Wirtschaftszertifikat, dem Studium generale, dem Studium professionale und dem Studium personale ein Gegengewicht bildet, ist wohl die einzige Ausnahme in Deutschland.

Eine weitere Eigenschaft, die Juristen ebenfalls im juristischen Curriculum nicht vermittelt wird - sie wird ihnen durch ihr Studium sogar tendenziell ausgetrieben -, ist notwendig, um die Welt verändern zu können. Deshalb steht sie als tägliche Aufforderung und zur Ermutigung künftig unübersehbar groß auf dem Campus. MUT, gestaltet vom Hamburger Künstler Rupprecht Matthies und gestiftet von unserer Trägerin, der ZEIT-Stiftung. Zu besichtigen an einer Hochschule, der die Ideen nicht ausgehen werden – und ebenso wenig der Mut, sie umzusetzen. Übrigens: Offiziell Einweihung am 22. Mai 2013, dem Gerd Bucerius-Tag, um 13 Uhr.